Text-Bild-Ansicht Band 94

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Die Lösung dieser Fragen war, indem sie die Theorie der Verkohlung liefert, gewiß von großem Interesse auch für die Praxis, hinsichtlich des durch das gewöhnliche Verfahren zu erreichenden höchstmöglichen Ergebnisses und der Möglichkeit, das Holz auf wohlfeile und eben so einfache Weise in rothe Kohle zu verwandeln, als in schwarze.

Die Versuche des Hrn. Ebelmen wurden zu Audincourt angestellt, wo das Holz nach dem gewöhnlichen Verfahren, nur mit folgenden Abänderungen desselben, in Kohle verwandelt wird. Man macht eine Vertiefung in Form eines Kessels in die Mitte der zur Errichtung des Meilers bestimmten Fläche; die Wände dieser Höhlung werden mit einer Baksteinmauer gefüttert und drei unterirdische Canäle, welche sich außerhalb des Meilers öffnen, laufen divergirend vom Kessel aus; man füllt den Kessel mit gut ausgetroknetem kleinem Holze an, bedekt ihn mit einer Eisenblechplatte und richtet dann den Holzmeiler darüber und um sie herum auf. Jeder Meiler besteht aus 50 bis 60 Stères Holz. Die Verkohlung dauert 4 bis 5 Tage. Früher bestund ein Meiler aus 150 bis 180 Stères Holz und die Verkohlung dauerte 12 bis 15 Tage.

Wir wollen nun die Resultate der Untersuchungen des Hrn. Ebelmen mittheilen.

Er findet, daß die aus dem Meiler zu verschiedenen Zeitpunkten der Verkohlung ausgezogenen Gase auf folgende Weise zusammengesezt sind: nimmt man, vom Volum des Stikstoffs ausgehend an, daß der ihm in der Luft entsprechende Sauerstoff durch die Verkohlung völlig in Kohlensäure umgewandelt wurde, so findet man, wenn man diesen Stikstoff und diese Kohlensäure vom sämmtlichen Gas abzieht, noch einen Ueberrest von Kohlensäure, Kohlenoxyd und Wasserstoff, deren wechselseitiges Verhältniß dasselbe ist, wie im gasförmigen Product des in verschlossenen Gefäßen destillirten Holzes, und in beiden Fällen nimmt die Menge des Wasserstoffs in dem Maaße zu, als die Verkohlung ihrem Ende näher rükt.

Man kann daher sagen, daß bei der Verkohlung in Meilern das Holz in zwei Theile zerfällt, wovon einer verbrennt, um zur Destillation des andern Theils die nöthige Wärme zu liefern, und die Verbrennung des erstern Theils ist ausschließlich die Folge der Vereinigung des Kohlenstoffs mit dem Sauerstoff der Atmosphäre.

Was geht nun vor, nachdem das Feuer im Kessel angezündet wurde? Die Eisenblechplatte erhizt sich und das darüber liegende Kleinholz kömmt in Gluth; die dasselbe verbrennende Luft wird durch Zuglöcher eingeführt, welche in die das Holz des Meilers bedekende und so eine Art Ofen bildende Erdschicht gemacht werden.