Text-Bild-Ansicht Band 83

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XIX. Frankfurter Gewerbfreund.

III. Jahrg. Nr. 1–24; IV. Jahrg. Nr. 1–21 (1840–1841).

III. Jahrg. Nr. 1: Ueber ein einfaches, praktisches Verfahren Milch mittelst eines Galaktometers auf die Beimischung von Wasser zu prüfen. — Der physikalische Verein in Frankfurt, von dem dortigen Polizeiamte aufgefordert, nahm den Gegenstand, mit dem bekanntlich sich schon mehrere beschäftigt haben, neuerdings in Bearbeitung. Da eine Prüfung der Milch durch chemische Mittel sich bald als zu weitläufig und daher unpraktisch zeigte, so nahm man auch hier seine Zuflucht zu einem Aräometer, welches man nach eigenen Fundamentalversuchen und zwar so construirte, daß die Scalentheile eine zu genauer Beobachtung hinlängliche Größe erhielten. Der Nullpunkt der Scale, bis zu welchem das Instrument, bei der Temperatur von + 15° R. in unverfälschter Milch von mittlerer Güte eintauchen muß, wurde dadurch bestimmt, daß man 11 verschiedene unverfälschte Milchsorten (von 11 Kühen im Alter von 5 bis 18 Jahren) zu gleichen Raumtheilen zusammenmischte, und den Punkt am Aräometer bemerkte, bis zu welchem es in diesem Gemische (der sogenannten Normalmilch) untersank. Der durch einen Gegenversuch bestimmte Rahmgehalt dieser 11 Milchsorten betrug zwischen 5.8 und 16.3, durchschnittlich 11.3 Proc. Die Grade der Scale bezeichnen Procente des Wasserzusazes, so daß z. B. eine Milch, in welcher das Galaktometer bis zu 20 einsinkt, darnach als eine Mischung von 100 Theilen Normalmilch und 20 Th. Wasser angesehen werden muß. Abgerahmte Milch gab bei einem Versuche fast genau dieselbe Anzeige am Galaktometer, wie die nämliche Milch im unabgerahmten Zustande, woraus die Nothwendigkeit sich ergibt, zu einer vollständigen Prüfung der Milch sich nicht auf die aräometrische Untersuchung zu beschränken, sondern auch den Rahmgehalt zu erforschen, indem man die Probe ungefähr 6 Stunden lang ruhig stehen läßt, und die Menge des abgeschiedenen Rahmes bestimmt. Milch, in der das Galaktometer nur etwa 3 Proc. Wasser angibt, muß noch als unverfälscht angesehen werden, wegen der Schwankungen des specifischen Gewichts, welche bei unverfälschter Milch vorkommen. Der Einfluß der Temperatur erfordert eine Correction, zu welcher die nöthige Anweisung gegeben wird. Endlich ist in dem Falle, wo die Milch durch Mehlzusaz verfälscht ist, das Galaktometer nicht anwendbar, und man muß diese Verfälschung auf chemischem Wege (durch Reaction mit Jodtinctur) ausmitteln. Die ganze, mit Sorgfalt und Umsicht vollführte Arbeit scheint mir nur ein neuer Beweis dafür zu seyn, daß eine gründliche und zuverlässige Prüfung