Text-Bild-Ansicht Band 83

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Hrn. v. Las Cases und mir, als wir uns das erstemal der Einwirkung der comprimirten Luft überließen, sehr auffallend. Man kann die Intensität dieses Nebels nach Belieben leicht erhöhen oder ihn ganz verschwinden machen, indem man den zum Auslassen der comprimirten Luft bestimmten Hahn öffnet oder schließt. Diese Erscheinung ist leicht zu erklären, und stellt, wie ich glaube, die Erzeugung der Nebel klar dar, deren eigenthümlicher Geruch hier künstlich mit aller Wahrheit wiedergegeben ist.

Ich habe noch einige Beobachtungen anzugeben, welche mir nicht unwichtig erscheinen. Erstens nämlich, daß bei dem Druk von 3 Atmosphären niemand mehr im Stande ist, in der comprimirten Luft zu pfeifen, welche Möglichkeit übrigens erst aufhört, wenn dieser Druk eintritt. Zweitens spricht in der comprimirten Luft Jedermann durch die Nase, und zwar um so mehr, je stärker der Druk wird. Drittens haben alle Arbeiter bemerkt, daß sie die Leiter hinansteigend in der comprimirten Lust den Athem nicht so verloren, wie in freier Luft. Endlich habe ich noch selbst eine merkwürdige Beobachtung zu machen Gelegenheit gehabt, daß nämlich ein Bergmann, welcher seit der Belagerung von Antwerpen taub ist, in der comprimirten Luft jederzeit deutlicher hörte, als alle seine Cameraden.

Ich gehe nun zu dem mechanischen Effect der comprimirten Luft über. Ich habe oben gesagt, daß wir im Augenblik des Inthätig keitsezens der Luftschleuße Sand ausleerten und unser 1,33 Meter im Durchmesser weites und 20 Meter langes Eisenrohr bis auf den festen Boden getrieben haben; daß dieses Rohr innerlich mit einer Fortschaffungsröhre versehen war, um den Abfluß des Wassers in dem Falle zu erleichtern, wenn die untern Oeffnungen ihm den Austritt nicht schnell genug gestatten sollten.

Wie erstaunten wir, als wir mittelst der comprimirten Luft in unserm Schacht das erstemal die flüssige Säule bis zum untern Theil der oben erwähnten Röhre zurükstießen. Ein außerordentliches Sprudeln und Pfeifen ließ sich vernehmen, worauf sogleich ein ungefähr 20 Meter hoher Wasserstrahl folgte. Von dieser Erscheinung überrascht, lief ich nach dem Manometer; dieses zeigte, den atmosphärischen Druk mit inbegriffen, drei Atmosphären, und doch fand ein Aufsteigen des Wassers um ungefähr 40 Meter statt. Ich erschöpfte mich in Vermuthungen, bis ich die wirkliche Ursache hievon entdekte. Das hinausgestoßene Wasser war nämlich kein reines Wasser, sondern ein Gemenge von Wasser und Luft, folglich von viel geringerem spec. Gewicht. Daher also dieses 40, statt, wie zu erwarten gewesen wäre, 20 Meter hohe Aufsteigen. — Dieser Wasserstrahl dauerte nur 1½ Minuten, nahm dann allmählich an seiner Höhe ab,