Text-Bild-Ansicht Band 83

Bild:
<< vorherige Seite

so daß am Ende das hinausgestoßene Wasser einer Garbe großer Perlen glich, die größtentheils wieder in die Röhre zurükkehrten, aus welcher sie gekommen waren. — Fünf Minuten waren kaum seit dem Verschwinden des Strahls verstrichen, als auf einmal dasselbe Sprudeln und Pfeifen sich wieder hören ließ, und wieder ein Wasserstrahl, ganz wie der erste, kam. Ungefähr 2 Stunden lang hatten wir im Kleinen das Schauspiel des Geisers in Island, dessen Entstehen mir nun leicht zu erklären scheint. — Um uns von dem Vorgange im Innern des Rohrs bei diesem Aufsteigen des Wassers besser Rechenschaft geben zu können, stiegen wir in den Schacht hinab und waren da Zeuge eines sehr merkwürdigen Schauspiels. Als nämlich die durch die Compression der Luft zurükgestoßene Wassersäule an den untern Theil der Fortschaffungsröhre gelangte, entwich sogleich die Luft mit Heftigkeit und riß eine Wasserhaut von 1 bis 2 Millimeter Dike mit sich, und dieses Wasser ist es, welches, indem es durch seine Vermengung mit Luft an specifischem Gewicht verlor, den so eben erwähnten außerordentlichen Strahl erzeugte.

Dieser Strahl dauert fort, bis die Luft so weit abgespannt ist, daß sie der auf der Mündung der Fortschaffungsröhre lastenden Wassersäule das Gleichgewicht nicht mehr hält, und da die Schnelligkeit dieses Stromes nicht plözlich einhalten kann, so folgt daraus, daß die Luft sich auch noch über diesen Punkt hinaus abspannt, was durch die Curve leicht zu ersehen ist, welche das Wasser alsdann in der Tiefe des Schachts bildet, welche Curve erst dann wieder verschwindet, wenn die Flüssigkeitssäule wieder so hoch gestiegen ist, daß sie die Mündung dieser Röhre völlig schließt. Dann hört der Strahl auf, bis die immerfort injicirte Luft wieder neuerdings das Wasser unter die Röhre gestoßen hat. Daher diese Unterbrechungen, nach welchen regelmäßig alle 5 Minuten ein außerordentlich hoher, ungefähr anderthalb Minuten andauernder Strahl hervorkam.

Ich sagte oben, daß diese Erscheinung die wahrscheinlichste Erklärung der Geiserquellen in Island gebe. Denkt man sich nämlich einen erloschenen Vulcan, so muß man natürlich annehmen, daß er sich in der Höhe lange schon vor dem Erkalten im Innern geschlossen hat, daß in Folge eben dieser Erkaltung die im Innern enthaltenen Substanzen nach und nach an Volumen abnahmen, und daß dadurch eine Höhlung entstanden sey. Denkt man sich nun diese Höhlung in Verbindung mit dem Canal einer von Oben kommenden Quelle, so wird das Wasser, wenn es in diese Höhlung hinabgelangt, in Folge der hohen Temperatur ihrer Wände eine größere oder geringere Quantität Dampf bilden, welcher auf die flüssige Masse drükt, und es tritt ein Augenblik ein, wo der Dampf selbst, in Berührung mit dem