Text-Bild-Ansicht Band 83

Bild:
<< vorherige Seite

einfachen Verfahren erreichten wir zwei für uns unschäzbare Resultate; erstens auf dem Grund unseres Schachtes nicht einen Tropfen Wasser zu haben, und zweitens, der comprimirten Luft niemals eine Spannung über 2 Atmosphären, den atmosphärischen Druk mit inbegriffen, geben zu müssen, obwohl wir das Wasser höher als 25 Meter zu heben hatten.

Zwei verschiedene Ursachen, ich wiederhole es, trugen zu dem guten Erfolge bei; erstens die künstliche Vermischung des Wassers und der Luft und zweitens die Theilung der Säule durch die Luft in zwei Theile. Wenn der Strahl einmal gebildet war, sah ich ihn auch oft in einer Höhe von 25 Meter fortspringen, obgleich das Manometer kaum eine halbe Atmosphäre über den gewöhnlichen Druk zeigte. Uebrigens erreichte er bei allen Versuchen, die wir anstellten, stets diese Höhe.

So weit die verschiedenen Beobachtungen, welche wir beim Absinken unseres Schachts mittelst comprimirter Luft zu machen Gelegenheit hatten. Wir beendigen nun unsere Mittheilung mit einigen Bemerkungen über die durch diesen Apparat erhaltenen Resultate und über verschiedene Arbeiten, zu welchen wir denselben für anwendbar halten. Dieser Apparat ist offenbar eine Verbesserung der Tauchergloke und hat vor dieser noch den Vorzug, in den festen Boden einzudringen, was man von der gewöhnlichen Gloke nicht verlangen kann. Wirklich drangen wir mittelst dieses Apparats, nachdem wir durch 19 Meter Sand gekommen waren, ungefähr 6 Meter tief in das Steinkohlenlager, und führten mitten in der Loire, im Troknen, zwei Ausweitungen und eine Holzverkleidung der Schachteinfahrt aus, welche in diesem Augenblik in 24 Stunden keine 2 Hectoliter Wasser hindurchsikern läßt. Der Luftcompressions-Apparat ist bereits weggenommen und die Bergleute sprengen gegenwärtig den Steinkohlensandstein unter einer 25 Meter tiefen Wasserschicht an freier Luft mittelst Pulvers. Sie senken endlich einen Schacht, welcher in Zukunft zur sichern Ausbeutung eines Steinkohlenlagers führen muß, in welches vor uns noch Niemand gedrungen ist, so daß wir sagen können, daß wir dem Lande einen mineralischen Schaz geöffnet haben, welcher zwar allerdings seit Jahrhunderten bekannt war, auf welchen man aber, weil er als unzugänglich im Rufe stand, niemals gerechnet hatte.

Die Anwendung unseres Apparates betreffend, glauben wir, daß das Ingenieurcorps der Marine zum Aushöhlen der Häfen ihn sehr gut benüzen kann; daß ferner die Land- und Heerstraßen-Baubehörde ihn beim Brükenbau, z. B. bei der Brüke von Tours anwenden könnte, deren wankende Bögen sich dadurch befestigen ließen.