Text-Bild-Ansicht Band 83

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gefror; nun ist es also kein Zweifel mehr, daß man Eis in einem stark erhizten Tiegel erzeugen kann.

Um die Isolirung der Flüssigkeit und des sie enthaltenden Metalls, kurz die Repulsion zu beweisen, sprengt Hr. Boutigny Wasser in eine, jedoch nicht bis zum Rothglühen erhizte Schale, deren Boden mit etwa einen Millimeter weiten Löchern durchbrochen ist; das Wasser nimmt sogleich sphäroidische Gestalt an, und rotirt auf dem Boden der Schale, ohne durch diese Art von Sieb hindurchzugehen, es sey denn, daß das Sphäroid durch die Verdunstung auf einen kleinern Durchmesser reducirt werde, als den der Löcher, wo es dann allerdings durch diese in das Feuer fällt.

Sprengt man Salpetersäure in eine stark erhizte silberne oder kupferne Schale, so nimmt die Säure den Sphäroid-Zustand an, ohne die Schale anzugreifen, während diese Säure in der Kälte das Silber und das Kupfer sehr leicht angreift, was wieder einen Beweis von der Abstoßung der Körper unter diesen Umständen gibt.

Die Folgen dieser Versuche sind sehr bedeutend für die Physik, welche bisher nur drei Körperzustände annahm (den festen, den flüssigen und gas- oder dampfförmigen); sie muß nun wohl einen vierten, den sphäroidischen Zustand annehmen; auch muß sie jezt zugeben, daß in diesem leztern Zustande das Gleichgewicht des Wärmestoffs nicht hergestellt wird.

Diese Geseze haben nicht minder praktischen Nuzen als theoretischen; bekanntlich gibt es nämlich, ungeachtet aller angewandten Vorsicht, noch ziemlich häufig Dampfkessel-Explosionen und viele derselben sind bis auf den heutigen Tag unerklärt geblieben und können folglich auch nicht verhütet werden. Hr. Boutigny beweist nun, daß, so oft eine Flüssigkeit aus dem sphäroidischen Zustand in den kochenden übergeht, Explosion erfolgt und zwar folgendermaßen:

Er sezt eine Silberschale auf eine Weingeistlampe, erhizt sie bis unter die Rothglühhize und sprengt tropfenweise Wasser hinein, welches nach Maßgabe seines Hineinkommens den sphäroidischen Zustand annimmt; wenn er nachher die Lampe auslöscht, findet allmähliches Erkalten statt und in einem gewissen Moment verliert das Wasser den sphäroidischen Zustand, breitet sich in der Schale aus, aber augenbliklich erfolgt eine Explosion, alles Wasser wird in Dampf verwandelt und heftig hinausgeschleudert.

Dieselbe Explosion entsteht, wenn man die Schale nicht durch Auslöschen der Lampe, sondern durch allmähliches Einlassen von kaltem Wasser in die Schale, zum Erkalten bringt.

Hr. Boutigny wiederholte dieses Experiment mit einem kleinen