Text-Bild-Ansicht Band 83

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in welchen Glaubersalz geglüht wurde, gemacht worden. Vauquelin's Analyse zeigte die größte Aehnlichkeit dieser Substanz mit Lasurstein. Die Beobachtung Tassaert's fällt in das Jahr 1814. — Allein es scheint weniger bekannt zu seyn, daß schon v. Goethe im Jahre 1787 bei seinem Aufenthalte in Palermo (siehe dessen italienische Reise) eine ähnliche Beobachtung anführt, indem er erzählt, daß sich in den sicilianischen Kalköfen ein Feuererzeugniß, eine Art Glasfluß finde, von hellblauer bis dunkelblauer Farbe, welcher als Lapis lazuli von dasigen Künstlern beim Fourniren von Altären u. s. w. gebraucht würde.

Es ist eine ausgemachte Thatsache, daß beide, der natürliche Ultramarin eben so wie der künstlich bereitete, bei Behandlung mit Säuren unter Entwikelung von Schwefelwasserstoffgas ihre Farbe verlieren; — ihre Färbung muß daher mit ihrem Schwefelgehalte in einer nicht zu trennenden Beziehung stehen; aber der Schwefel für sich kann demnach unmöglich das allein Wesentliche seyn, es muß dieses eine Schwefelverbindung seyn, welche, mit Säuren behandelt, sich zersezt und deren Schwefelgehalt hiebei als Schwefelwasserstoffgas sich entwikelt.

Nach allen Analysen sind die Hauptbestandtheile des Ultramarins: Natron, Thonerde, Kieselerde und Schwefel. Diese mußten daher als Ausgangsproducte betrachtet werden bei der Anstellung der einzelnen Versuche; zu diesem Zweke wurde nun folgendermaßen verfahren:

1) Es wurde chemisch reine Thonerde in eine Kugelröhre gefüllt und in einem Strome durch eine Röhre von Chlorcalcium getrokneten Schwefelwasserstoffgases bis zum Rothglühen erhizt. Nach Abkühlung der Glaskugel zeigte sich keine auffallende Farbenveränderung der Thonerde.

2) Thonerde, mit trokenem kohlensaurem Natron gemischt und wie bei 1 behandelt, gab eine citrongelbe Masse, die beim Behandeln mit verdünnter Salzsäure unter Entwikelung von Schwefelwasserstoffgas ihre Farbe verlor.

3) Eine Beimischung von Kieselerde zu Thonerde und Natron zeigte nur eine gelbröthliche Färbung.

Man erinnerte sich nun, daß Spuren von Eisen durch Schwefelwasserstoffgas bisweilen mit deutlich grüner Farbe gefällt werden, so daß Anfänger in analytischen Arbeiten bisweilen versucht sind, den Niederschlag für Chromoxyd zu halten; es wurden demnach die Versuche in folgender Art fortgesezt:

4) Chemisch reine Thonerde, mit einer Spur Eisenvitriollösung