Text-Bild-Ansicht Band 73

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Versuche mit der sogenannten atmosphärischen Eisenbahn von Hrn. Clegg.

Wir haben im polytechn. Journale Bd. LXXII. S. 155 von der neuen Edition der pneumatischen Eisenbahn, welche Hr. Clegg (in unserem früheren Artikel stand nach französischen Blättern fälschlich Clay) in Frankreich veranstaltete, gesprochen, und müssen nun als Nachtrag hiezu anzeigen, daß englischen Blättern zu Folge in England im Monate Mai in Gegenwart mehrerer Eisenbahndirectoren und Ingenieurs ein Versuch mit einem Modelle der sogenannten atmosphärischen Eisenbahn Clegg's angestellt wurde. Bei diesem sollen nun die Wagenmodelle, nachdem man die Luft aus der Vacuumröhre ausgepumpt hatte, mit außerordentlicher Geschwindigkeit eine Streke von ungefähr 40 Yards, die mit einem Gefälle von 1 in 30 Fuß hinanstieg, durchlaufen haben. Auf den Wagenmodellen befanden sich hiebei nicht nur einige Personen, sondern auch 15 Cntr. Ballast. Der Versuch soll zur Zufriedenheit der Anwesenden ausgefallen seyn, wenigstens geben dieß die Zeitungsnachrichten an, die das neue System seiner Wohlfeilheit, Geschwindigkeit und Sicherheit wegen, sowie auch wegen der gänzlichen Beseitigung der Gefahren der Explosionen anrühmen.

Einiges über den Eisenbahntunnel bei Kilsby.

Zu den merkwürdigsten Bauten an der London-Birmingham-Eisenbahn gehört der Tunnel bei Kilsby, welcher im Jahre 1835 von Baucontrahenten übernommen, im Jahre 1836 aber wegen der großen Schwierigkeiten, die sich zeigten, von diesen aufgegeben, und im Oktober 1838 von der Compagnie selbst zu Ende geführt wurde. Bevor man den Bau unternahm, wurden, um sich von der Beschaffenheit des Bodens Kenntniß zu verschaffen, mehrere Probeschachte abgetäuft. Man kam hiebei meistens auf Lias-Schiefer, in welchem sich einige Steinlager befanden, und der an einigen Stellen troken, an anderen sehr wasserreich war. Beim Abläufen des zweiten Arbeitsschachtes fand man aber, daß über einem Theile des Tunnels ein Sand- und Kiesbett, welches sehr wasserreich war. lag, und daß dieser Sand so beweglich war, daß unmöglich auf gewöhnliche Weise durch ihn gebaut werden konnte. Hr. Stephenson war der Ansicht, daß das Wasser ausgepumpt, und der Tunnel dann nicht so gar schwer gebaut werden könnte. Man stellte daher Pumpen auf, und diese mußten, obwohl sie eine lange Zeit über in jeder Minute 2000 Gallons auspumpten, beinahe 9 Monate lang spielen, bevor der Sand so troken gelegt war, daß der Bau des Tunnels beginnen konnte. Der bewegliche Sand erstrekte sich in einer Länge von 450 Yards über dem Tunnel hin, und seine Bodenfläche reichte bis auf 6 Fuß unter den Bogen des Tunnels hinab. Der ganze Tunnel hat 2423 Yards in der Länge, und sollte anfänglich in einer Dike von 18 Zollen mit Baksteinen ausgemauert werden, an den meisten Stellen fand man jedoch nöthig, diese Dike bis auf 27 Zoll zu steigern. Der ganze Bau wurde entweder mit römischem oder mit metallischem Cemente geführt. Im Mai 1836 ward einer der großen Ventilirschachte begonnen und in 12 Monaten zu Ende gebracht. Er hat 60 Fuß im Durchmesser und 132 Fuß Tiefe; seine Wände sind senkrecht und durchaus 3 Fuß dik gemauert. Der zweite Ventilirschacht hat um 30 Fuß weniger Tiefe. Beide Schachte wurden von Oben nach Abwärts gebaut, indem man immer nur kleine Streken der Wände, z.B. von 6 bis 12 Fuß in der Länge und von 10 Fuß Tiefe auf einmal ausgrub. Im November 1836 brach plözlich eine große Menge Wasser in den Tunnel, und zwar an einer Stelle, an der sich keine Pumpen befanden. Das Wasser stieg sehr rasch, und um zu verhüten, daß hiedurch an dem einen Tunnelende das Erdreich nicht zu sehr aufgelokert werde, mußte man zu einer neuen Baumethode seine Zuflucht nehmen. Man baute nämlich einen großen Floß, auf den die Arbeiter und das zum Baue nöthige Material gebracht wurden, und auf dem die Arbeiten nicht ohne große Schwierigkeiten und auch nicht ohne Gefahr von Statten gingen. Man war so glüklich, alle Schwierigkeiten zu überwinden, und nach beinahe dreijähriger Arbeit den Tunnel zu Ende zu führen, was freilich einen ungeheuren Kostenaufwand veranlaßte. Während nämlich der Contract für den ganzen Tunnel anfänglich auf 99,000 Pfd. Sterl. lautete, beliefen sich die Kosten am Ende auf mehr dann 300,000 Pfd. St., so daß also der Yard ungefähr auf 130 Pfd. St.