Text-Bild-Ansicht Band 73

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heiße Luft und Dünste entweichen. Zu dem glüklichsten Resultate bei diesem Streben, ja zu einer Lösung der Aufgabe scheint Hr. Chanter gelangt zu seyn.

Schon vor einigen Jahren gelang es den HHrn. Chanter und Comp., an den stehenden Dampfmaschinen den Rauch beinahe vollkommen zu verzehren, wie dieß viele der von ihnen eingerichteten Kessel, welche dermalen in England arbeiten, beweisen. Allein das System, welches sich an den stehenden Dampfmaschinen so vortheilhaft bewährte, zeigte sich unter den an den Locomotiven Statt findenden Umständen gänzlich unanwendbar. Die Grundzüge, welche Hr. Chanter an allen von ihm angegebenen Kesselmodificationen beibehielt, sind: 1) die Stellung der Roststangen unter einem Winkel, welcher sich von dem Ofenthürchen aus nach Abwärts zu erstrekt. 2) eine solche Neigung oder Senkung des Kesselbodens, daß er eine mit den Roststangen parallele Fläche bildet. Wenn bei dieser Einrichtung der Ofen in voller Thätigkeit ist, so wird sich auf dem Roste eine in verschiedenen Stadien der Verbrennung begriffene Schichte Brennmaterial befinden; d.h. das Brennmaterial am Grunde der Schrägfläche wird aus hellroth glühenden Kohks bestehen, während sich aus der obersten Schichte der frisch eingetragenen Steinkohlen dichter schwarzer Rauch entwikelt, welcher durch den Boden des Kessels so zurükgeworfen wird, daß er durch die rothglühenden Kohks streichen muß und dabei verbrannt wird. In dem Maaße, als die ausgebrannten Kohks durch den Rost fallen, rükt die Masse des darüber liegenden unverbrannten Brennmateriales in Folge der schrägen Stellung der Roststangen herab, während der Heizer von Oben fortwährend frische Steinkohlen nachträgt. Hr. Witty gab, wenn wir nicht irren, zuerst die Idee dieser Methode an, welche sich an den stehenden Maschinen so trefflich bewährte, und deren hohe Vervollkommnung wir Hrn. Chanter verdanken.

Der günstige Erfolg, den die Anwendung dieses Systemes an der gewöhnlichen Dampfmaschine hatte, ermunterte Hrn. Chanter zur Befolgung desselben an Locomotiven.58) Bei dem Betriebe der Locomotive, „Prince George“, an welcher der erste Versuch dieser Art gemacht wurde, ergab sich, daß das Brennmaterial wegen der Bewegung der Maschine und des ungeheuren Zuges des Ofens nicht die eben beschriebene Stellung auf den Roststangen behielt. Auch reichte der Kesselboden oder der sogenannte Deflector nicht tief genug herab, indem er bloß bis zur Höhe der dritten Röhrenreihe herabstieg,

58)

Man findet das hierauf bezügliche Patent bereits im polytechn. Journal Bd. LXVIII. S. 242. A. d. R.