Text-Bild-Ansicht Band 72

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Eine weitere, schon oben berührte, sehr große Unannehmlichkeit der Meßröhren ist die Schnelligkeit, womit sich an deren innerer Wand die Stoffe absezen, welche das Wasser beinahe immer aufgelöst enthält, und wodurch die Röhre in Kürze dienstuntauglich wird. Diese Niederschläge erheischten eine häufige Reinigung, und mit welcher Sorgfalt diese leztere auch vollbracht werden mochte, so blieb doch immer soviel an den Glaswänden hängen, daß die Röhren oft ausgewechselt werden mußten. Ich forschte deßhalb nach einem Mittel gegen diesen Uebelstand, der für sich allein schon ausreichte, die allgemeine Einführung dieses Instrumentes zu verhindern. Ich fand auch wirklich ein solches, welches eben so einfach als sicher in seiner Wirkung ist, welches keine Arbeit macht, für sich allein wirkt, und sich mir durch die Erfahrung hinreichend bewährt hat.

Ich nehme nämlich zur Bewerkstelligung der Communication des oberen Theiles der Röhre mit dem Kessel eine Röhre von solcher Weite und Länge, daß sich fortwährend etwas Wasserdampf darin verdichten kann. Das hiedurch gebildete Wasser, welches immer reiner ist als das Wasser im Kessel, leite ich in die Meßröhre, indem ich der Communicationsröhre eine Neigung gegen leztere gebe. Die Meßröhre wird auf diese Weise beständig von Oben nach Unten abgewaschen, und das in der Röhre Herabfließende Wasser treibt das unreine Wasser, welches bei der unteren Röhre eindringen will, beständig zurük. Man sieht diese Einrichtung deutlich in Fig. 9, wo durch die punktirten Linien X die früher gebräuchliche Communication dargestellt ist.

Seit den 9 Monaten, seit denen ich mich dieser Anordnung bediene, war noch keiner der Fabrikanten, welche dieselbe annahmen, gezwungen, die Röhren wegen eines bedeutenden inneren Trübwerdens auszuwechseln. Ein Reinigen oder Auswechseln, welches nur nach mehreren Monaten nöthig wird, ist übrigens kein Uebel von Bedeutung, besonders bei der großen Leichtigkeit und Schnelligkeit, womit sowohl das eine als das andere geschehen kann. Ich liefere mit meinem Instrumente stets eine gewisse Anzahl von Auswechselungsröhren von gleicher Dimension ab, und zwar um so mehr, als sich für das periodische Springen derselben, wenigstens an dem Krystallglase, dessen ich mich bisher bediente, eine neue Ursache gezeigt hat.

Von den 11 dermalen arbeitenden Instrumenten meiner Art sind an zweien in Folge einer merkwürdigen Abnüzung des Krystallglases die Röhren gebrochen, und zwar die eine nach 7- und die andere nach 4monatlichem Gebrauche. Diese Abnüzung bestand in tiefen Längenfurchen, welche sich an der inneren Wand des oberen Theiles der Röhre, nämlich an dem mit Dampf erfüllten Theile, bildeten