Text-Bild-Ansicht Band 72

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und in Folge deren die geschwächte Röhre endlich dem inneren Druke nachgab. Da ich fand, daß diese Abnüzung sich an jenen Kesseln zeigte, deren Speisungswasser sehr kalkhaltig war, so ist es wahrscheinlich, daß sie auf einer mechanischen Wirkung beruht; d.h. ich nehme an, daß durch den Dampf oder bei starkem Aufsprudeln in den oberen Theil der Röhre etwas von dem Niederschlage hinaufgerissen wird, was dann, indem es mit dem Wasser längs der inneren Wand der Röhre herabfließt, wie Schmirgel wirkt. Vielleicht dürfte sich aber auch noch eine andere Erklärung hiefür finden lassen. Um übrigens auch dieser neuen Ursache des Springens der Röhren, so wenig Berüksichtigung sie wegen ihres seltenen Vorkommens auch verdienen dürfte, zu begegnen, habe ich nach der aus der Zeichnung zu ersehenden Methode über dem oberen Theile der Röhren einen kleinen kupfernen Trichter angebracht, damit das Verdichtungswasser durch diesen in der Mine der Röhre herabfalle. Wenn ich einmal längere Erfahrung über diese leztere Vorrichtung besize, werde ich der Gesellschaft auch über sie berichten.

An jenen Kesseln, die bereits mit einem Schwimmer versehen waren, hielt ich eine einzige Meßröhre für genügend, da einer der Apparate gleichsam als Controle für den anderen dienen konnte. Die neuen Kessel, welche ich aufzustellen habe, sollen hingegen leinen Schwimmer, und dafür zwei von einander unabhängige Meßröhren bekommen, welche in jedem Augenblike und mit der größten Genauigkeit den Wasserstand im Inneren des Kessels andeuten werden. Denn wenn man auch die Möglichkeit einer endlichen Verlegung der Röhren durch Niederschlage zugeben wollte, so wäre es doch der außerordentlichste Zufall, wenn dieß nach mehrjährigem Gebrauche an beiden Röhren in einer und derselben Minute erfolgte. Man erkennt übrigens die Verlegung der Röhre aus dem Aufhören der oscillirenden Bewegung des Wassers in der sich füllenden Röhre. Die Anwendung zweier Röhren ist, abgesehen hievon, auch schon für den Fall von Nuzen, daß man eine der Röhren auszuwechseln wünschte, während der Kessel in Thätigkeit ist. In Fig. 8, 10 und 12 sieht man die zwei Röhren auf einer einzigen Platte vereint.

Ehemals waren diese Instrumente mit kleinen Röhren, in die man nur wenig Vertrauen sezen konnte, versehen. Die Instrumente, welche ich liefere, haben zöllige Röhren aus starkem Kupfer. Mehrere Personen haben zugleich mit mir erkannt, daß die Reinigung einer Röhre nie durch Einführung eines Eisendrahtes oder irgend eines metallenen Instrumentes geschehen soll, sondern mittelst eines mit Werg besezten Stäbchens aus Holz oder Fischbein. Kaustisches oder alkalisches Wasser erleichtert die Reinigung. Während des Reinigens