Text-Bild-Ansicht Band 72

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bleiben müßte, ob die Last mit einer Geschwindigkeit von 5 oder von 50 engl. Meilen durch eine bestimmte Streke bewegt würde. Nur unbedeutende Meinungsverschiedenheiten herrschten hierüber unter den Physikern; denn während Coulomb aus seinen Versuchen auf eine geringe Abnahme der Reibung bei der Zunahme der Geschwindigkeit schloß, behaupten Morin und andere, daß die Geschwindigkeit gar keinen Einfluß auf die Reibung habe. Uebrigens wurden alle diese Versuche bei Geschwindigkeiten angestellt, welche so weit hinter jenen der Eisenbahnwagen zurükbleiben, daß schon deßhalb alle aus ihnen gefolgerten Geseze nur mit größter Vorsicht auf die Eisenbahnen angewendet werden dürfen. Einige der von uns selbst in dieser Beziehung gemachten Beobachtungen lassen uns mit Wahrscheinlichkeit vermuthen, daß die Reibung mit der Zunahme der Geschwindigkeit abnimmt.

Nur auf diese Quellen des Widerstandes allein richteten bisher die mit den Eisenbahnen Beschäftigten ihre ganze Aufmerksamkeit. Sie durch den trefflichsten Bau der Wagen und Maschinen und durch die größte Vollkommenheit der Bahn auf den möglich geringsten Grad zu bringen, war die Aufgabe, welcher die Geisteskräfte der Ingenieurs hauptsächlich zugewendet wurden, und zwar mit einem Erfolge, über den ich hier nichts zu sagen brauche. Gewiß ist, daß auch der kühnste Speculant nie von solchen Wagen, Maschinen und Bahnen träumte, wie man sie dermalen wirklich hat.

Die dritte Quelle des Widerstandes, nämlich die Luft, blieb bei all dem unbeachtet; oder wenn man ihr auch einen Blik zuwendete, so wurde sie doch stets und im Vergleiche mit den anderen Ursachen für so unbedeutend erachtet, daß man sie, ohne die Gefahr eines Irrthumes zu wähnen, mit ihnen zusammenfassen, ihre Wirkung nach denselben Principien berechnen zu können glaubte. Man erhielt hiedurch einen Anschlag für den Gesammtwiderstand, den man für alle praktischen Zweke genügend hielt, und welcher bei der gewöhnlichen Geschwindigkeit der Wagenzüge auf den Eisenbahnen zu 8 bis 10 Pfd. auf die Tonne Bruttolast angenommen wurde. Wir wollen nun sehen, in wiefern diese Annahme durch die aus Versuchen gezogenen Resultate Bestätigung erhielt.

Aus dem vorliegenden Berichte des Hrn. Wood geht hervor, daß man bei der Erforschung des Widerstandes an der Great-Western-Eisenbahn nach dem gewöhnlichen Verfahren zu Werke ging, indem man die Zeit beobachtete, innerhalb welcher ein im Laufe befindlicher Wagenzug in Stillstand kommt. Nimmt man, wie es bisher beinahe immer geschah, an, daß die Reibung die einzige oder hauptsächliche Ursache ist, aus welcher die Bewegung eine Abnahme erleidet, so muß auch