Text-Bild-Ansicht Band 72

Bild:
<< vorherige Seite

an dem dermalen bei dem Personentransporte Statt findenden Kraftaufwande hervorgehen.

Frägt man nun, von welcher Seite denn eine solche Verminderung des Widerstandes zu erwarten sey, wie sie zur Erlangung der von den Ingenieurs beabsichtigten hohen Geschwindigkeit erforderlich scheint, so kommt vor Allem als ausgemachtes Factum zu bedenken, daß jede Steigerung der Geschwindigkeit den Widerstand nicht im Verhältnisse dieser Steigerung, sondern im Verhältnisse des Quadrates der Geschwindigkeit vermehrt. Wenn sich z.B. der an der Rampe von Whiston verwendete Wagenzug mit 60 anstatt mit 30 engl. Meilen in der Zeitstunde bewegen sollte, so würde der Luftwiderstand nicht gegen 328, sondern 1312 Pfd. betragen, wozu dann noch 93 Pfd. für die Reibung zu zählen kommen. Um diese doppelt größere Geschwindigkeit zu erlangen, müßte die Kraft der Maschine also im Verhältnisse von 421 zu 1405 erhöht werden! Wenn nun schon die dermaligen Maschinen so schwerfällig sind, und durch ihr großes Gewicht die Eisenbahnen zu Grunde richten, was ist erst von Maschinen zu befürchten, welche bei einer so ungeheuer großen Kraft eine doppelt größere Geschwindigkeit bekommen sollen? Wir sind gewiß, daß jeder nüchterne Praktiker uns beistimmen wird, wenn wir die Ueberzeugung aussprechen, daß bei dem dermaligen Stande der Kunst eine derlei Geschwindigkeit unthunlich und unpraktisch ist.53)

–––––––––

Wir hängen endlich aus dem Aufsaze des Hrn. Dr. Lardner noch das an, was darin zur Erläuterung der Instrumente, deren er sich in Gemeinschaft mit Hrn. Wood bei den verschiedenen Versuchen bediente, gesagt ist, und was auch das Mechanics' Magazine in seiner Nr. 811 aufgenommen hat.

53)

Der gelehrte Dr. Lardner hat auf diese seine Aeußerungen schon manche sarkastische Kritiken in verschiedenen Blättern, und namentlich im Mechanics' Magazine Nro. 808 hinnehmen müssen. Man erinnert ihn beständig daran, daß er die Dampfschifffahrt über den Ocean ein Paar Wochen vor ihrer wirklichen glüklichen Ausführung noch für ganz unausführbar erklärt habe. Man hält ihm vor, daß er auch hier wieder in den Fehler verfallen sey, auf unvollständige Daten ein ganzes Raisonnement zu bauen, ein Fehler, der Mathematikern, die keine Praktiker sind, nicht selten widerfährt. Man frägt ihn, wie er glauben könne, daß die Wagen bei gleichem Baue und gleichem Aeußeren auch gleiche Reibung haben müßten, da doch jeder Kutscher wisse, daß ein Wagen sich leichter führe als ein anderer, selbst wenn er ganz gleich gebaut ist. Man frägt ihn, wie es komme, daß, wenn der Widerstand der Luft so gar ungeheuer ist, bei den lezten heftigen Stürmen die Wagenzüge auf den englischen Bahnen durch den Wind verhältnißmäßig nur wenig später oder früher an den Stationen eintrafen, und dergleichen mehr. Man räth ihm endlich, die Sache noch weiter durch Versuche der mannigfaltigsten Art zu prüfen, bevor er sich zu bestimmten Aussprüchen verleiten lasse.

A. d. R.