Text-Bild-Ansicht Band 72

Bild:
<< vorherige Seite

bei diesem Mittel ist dessen Geruch, was jedoch in der Gerberei kein besonderes Hinderniß geben dürfte. Als kosmetisches Mittel müßte solches freilich mit wohlriechenden Oehlen versezt werden. Der Hauptzwek dieser Mittheilung bezieht sich vorzugsweise auf die Rothgerberei, für welche solches von der größten Wichtigkeit zu werden verspricht. Es sind bereits im Kleinen geeignete Versuche an verschiedenen Thierhäuten gemacht worden, wobei die befriedigendsten Resultate erhalten worden sind. Außerdem sind von praktischen Gerbern in Frankfurt Versuche in einem etwas größern Maaßstabe angestellt worden, die ebenfalls, so weit es sich nämlich aus den zur Zeit noch in der Farbe befindlichen Häuten beurtheilen läßt, durchaus nichts zu wünschen übrig lassen.59)

Was nun die Bereitung und Anwendung dieses Mittels betrifft, so soll, obwohl dabei keine besondern Schwierigkeiten vorkommen, dennoch hier etwas umständlicher davon gesprochen werden. Zugleich erklären die Abbildungen die Sache noch besser.

Zuerst bereitet man in irgend einem hölzernen Gefäße: Bütte, Kasten etc., (Fig. 47), aus gewöhnlichem gut gebranntem Aezkalk, durch Besprengen und Uebergießen mit Wasser, einen dünnen Kalkbrei. Man läßt dann diesen Kalkbrei (die Kalkmilch) vollkommen erkalten, und leitet dann unter fortwährendem Umrühren der flüssigen Masse, und zwar um die Gasentwikelung möglichst schnell zu beendigen, aus drei oder vier Gasentwikelungsapparaten zugleich, Schwefelwasserstoffgas in diese Kalkmilch, so zwar, daß die Gasentbindungsröhren der einzelnen Apparate etwa einen Fuß tief unter dem Niveau der Kalkmilch austreten, um dem in einzelnen Bläschen sich entwikelnden Gase vor seinem Entweichen in die atmosphärische Luft möglichst viel Berührungspunkte mit der Kalkmilch zu geben. Man unterhält die Gasentwikelung so lange, bis die Kalkmilch eine ganz dunkel blaugraue Farbe angenommen hat. Diese Farbe ist zwar streng genommen nichts Wesentliches, indem sie nur in Folge der in dem gewöhnlichen Kalke enthaltenen metallischen Beimengungen auftritt, sie kann jedoch, da kein Kalk ganz frei von diesen metallischen Beimengungen gefunden werden möchte, dem gewöhnlichen Arbeiter recht wohl als ein Merkmal dienen, um die Entwikelung des Gases nicht weiter fortzusezen.

Es ist besonders zu beachten, daß kein freier Aezkalk mehr in der Flüssigkeit vorhanden, sondern völlig mit dem eintretenden Gase gesättigt sey; welcher Zustand theils durch die angedeutete dunkel

59)

Wir haben dieses aus dem Wochenblatt des Gewerbevereins zu Köln entnommene Verfahren in einer Augsburger Gerberei prüfen lassen und ebenfalls ein ganz günstiges Resultat erhalten.

A. d. R.