Text-Bild-Ansicht Band 72

Bild:
<< vorherige Seite

blaugraue Farbe, theils dadurch erkannt wird, daß wenn man mittelst eines Hölzchens ein wenig von der Masse (etwa in messerrükendiker Lage) auf irgend einen mit Haaren bewachsenen Theil des Armes gebracht hat und dasselbe eine Viertelstunde lang liegen läßt, das stärkste Armhaar vollkommen zerstört seyn wird. Die damit bestrichene Stelle des Armes darf jedoch weder Schmerzen verursachen, noch darf irgend eine Hautverlezung Statt finden; denn in diesem Falle würde noch unzersezter, nicht gehörig gesättigter Aezkalk in der Masse vorhanden seyn, und man müßte noch mit der Gasentwikelung fortfahren. Ist dagegen die Masse gehörig mit Schwefelwasserstoff gesättigt, so hat sie die Eigenschaft, binnen fünf Minuten (messerrükendik aufgetragen), selbst das stärkste Armhaar gänzlich zu zerstören, ohne auf der damit bedekt gewesenen Stelle des Armes auch nur die mindeste Röthung oder sonst eine sichtbare Veränderung zurükzulassen.60)

Zur Entwikelung des Gases, welche man im Freien vornehmen muß, bedarf es dreierlei: 1) eines oder mehrerer Gasentwikelungsapparate, 2) künstlich dargestellten Schwefeleisens und 3) gewöhnlicher Salzsäure. Die Gasentwikelungsapparate wird sich ein Jeder selbst leicht zusammensezen können; das Schwefeleisen aber läßt sich in jeder Schmiede anfertigen, oder um einen billigen Preis aus irgend einer nahe gelegenen chemischen Fabrik, sowie die Salzsäure, beziehen.

Wer sich das Schwefeleisen selbst anfertigen will, verfährt folgendermaßen: Man erhizt in einer Schmiede vor einem gut ziehenden Blasebalg einen hessischen oder irdenen Tiegel zum Glühen, trägt dann nach und nach eine Portion einer Mischung aus 3 Theilen Schwefel mit 4 Theilen Eisenfeilspänen ein. Der Schwefel kommt in Fluß und verbindet sich in wenigen Augenbliken unter heftigem Erglühen mit dem Eisen. Man nimmt dann die noch glühende Masse mit einem eisernen Löffel heraus, bedekt sie schnell mit Kohlenstaub und läßt sie erkalten. Man verwahrt sodann die Masse in einer mit einem Korke zu verschließenden Flasche mit weiter Mündung. Die käufliche Salzsäure versezt man mit 3 bis 4 Theilen Wasser, bevor man solche zur Gasentwikelung anwendet.

Was nun den Gasentwikelungsapparat Fig. 46 betrifft, so taugt dazu jede etwas starke Glasflasche mit weiter Mündung, deren innerer Raum eine oder mehrere Quart Wasser faßt. Auf die

60)

Einfacher und kürzer kann man auch die vollkommene Sättigung vermittelst Kurkumapapier erfahren, woran ein Vorhandenseyn von Aezkalk durch die sich zeigende Farbenveränderung (Bräunung) angedeutet wird.

A. d. V.