Text-Bild-Ansicht Band 72

Bild:
<< vorherige Seite

Mündung solcher Flaschen paßt man einen gut schließenden Kork, den man an zwei Stellen mittelst einer Korkfeile oder eines Korkbohrers durchbohrt; in die eine Oeffnung kittet man mittelst Siegellak eine etwa 1/2 Zoll im Durchmesser haltende, etwas starke Glasröhre, so zwar, daß wenn der Kork auf die Mündung der Flasche aufgesezt wird, die Glasröhre noch ungefähr 2–3 Zoll hoch über den Kork hervorragt, während der längere Theil der Röhre bis beinahe an den Boden der Flasche reicht. Die Länge dieses Theils der Röhre richtet sich übrigens ganz nach der Höhe der Flasche; die Röhre muß nämlich so tief in die Flasche hineinragen, daß die untere Mündung derselben 1 1/2 Zoll vom Boden der Flasche entfernt bleibt, wenn der Kork aufgesezt ist.61) In die andere Oeffnung des Korkes kittet man mittelst Siegellak eine ganz kurze zweischenklige, d.h. in einem etwas spizen Winkel gebogene, gleichfalls 1/2 Zoll im Durchmesser haltende Glasröhre; der eine Schenkel dieser Röhre, und zwar der durch den Kork geführte, in das innere der Flasche ragende Theil, tritt unter dem Korke nur circa 1/2 Zoll vor. Dagegen kann der äußere Schenkel 6–8 Zoll, oder nach den Umständen kürzer oder länger seyn. An diesen äußern, nach Abwärts gebogenen kurzen Schenkel befestigt man mittelst einer Kautschukröhre, oder einem abgeschnittenen Halse einer Kautschukflasche, eine 1 1/2 bis 2 Fuß lange, 1/2 Zoll im Durchmesser haltende Röhre, welche auch von Holz seyn kann. Diese leztere wird 1 Fuß tief in die Kalkmilch eingesenkt. Man könnte dieselbe mit dem Knie aus einem Stüke machen, allein durch das Umrühren der Kalkmilch könnte solche leicht abbrechen, was in dem lezteren Falle, da sie beweglich ist, nicht so leicht Statt findet.62)

Sind nun auf diese Weise die einzelnen Theile des Gasentwikelungsapparates vorgerichtet, so bringt man ungefähr 1/2 Pfd. gröblich gepulvertes Schwefeleisen in die Flasche (Fig. 46), verschließt hierauf die Mündung derselben mit dem vorerwähnten Korke auf das sorgfältigste; sezt dann einen kleinen Glastrichter auf die senkrecht aus dem Korke hervorragende Glasröhre und gießt in denselben so viel von der verdünnten Salzsäure, daß sowohl das Schwefeleisen überdekt, als die

61)

Die Länge dieser Röhre richtet sich übrigens nach der Höhe der Flüssigkeitssäule, welche in der zweiten Röhre, die in die Kalkmilch eintaucht, zu überwinden ist. Wenn nämlich diese leztere 1 Fuß tief eintaucht, so muß man Sorge tragen, die Röhre, wodurch die Salzsäure zugesezt wird, 2 Fuß lang zu nehmen, weil sonst bei einer etwas lebhaften Entbindung des Gases Salzsäure aus dieser Röhre durch die vermehrte Spannung herausgeschleudert werden könnte.

A. d. V.

62)

Damit die in die Kalkmilch eingesenkte Röhre nicht durch das Umrühren beschädigt werden kann, ist es zwekmäßig, dieselbe durch ein Gehäuse von Holz oder nur einige Latten, welche an den Seitenwänden befestigt werden, zu schüzen, jedoch darf das Austreten des Gases nicht gehindert werden.

A. d. V.