Text-Bild-Ansicht Band 72

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untere Mündung der Röhre durch die Flüssigkeit geschlossen ist. Die Gasentwikelung beginnt dann augenbliklich und tritt in die Kalkmilch ein, welche man fortwährend umrührt. Nach und nach wird die Gasentwikelung schwächer, sowie die Salzsäure gesättigt wird, und man gießt wieder etwas durch den Glastrichter nach, was etwa von Viertel- zu Viertelstunde geschehen kann. Hat man ungefähr 8 Quart Kalkmilch in Arbeit genommen und 4 solcher Gasapparate im Gange, so wird binnen 2 bis 3 Stunden aller Kalk in Calciumsulfhydrat umgewandelt seyn. Da diese Verbindung in Berührung mit der atmosphärischen Luft sich bald zersezt, so ist es nöthig, dieselbe in gläsernen oder steinernen Gefäßen gut verschlossen aufzubewahren, allenfalls in den großen Säureflaschen, wie Fig. 48. Auf diese Weise kann das Mittel Jahre lang aufbewahrt werden, ohne an Wirksamkeit zu verlieren. Metallene Gegenstände, wie Ringe, Uhrketten u. dgl., muß der Arbeiter bei der Gasentwikelung von sich entfernen, indem solche schwarz anlaufen.

Die Mischung wird nun zur Enthaarung der Felle auf folgende Weise angewendet: die frischen (grünen) oder die bereits getrokneten Häute werden gehörig in Flußwasser gewässert, sodann mit der Fleischseite nach Unten gekehrt, auf einer steinernen oder hölzernen Tafel flach ausgebreitet, hierauf die Haare des Felles mit jener flüssigen Masse schwach begossen und leztere mittelst einer Holzkelle gehörig zwischen die Haare eingerieben, ein zweites Fell dann ebenso behandelt, und dieses auf jenes, d.h. Haarseite auf Haarseite gelegt und beide Felle zulezt mit einigen Brettern bedekt und durch ein Paar aufgelegte Steine beschwert. Auf diese und ähnliche Weise lassen sich nun entweder auf- oder nebeneinander eine Menge von Fellen mit einer verhältnißmäßig geringen Menge dieses Mittels in ganz kurzer Zeit enthaaren.

Man kann auch die bereits schon einmal zum Enthaaren gebrauchte Masse noch einmal zum Enthaaren minder stark behaarter kleinerer Felle benuzen. Das Haar eines Kalbfelles ist nach solcher Behandlung in Verlauf von einer, höchstens zwei Stunden so erweicht und in eine seifenartige Masse verwandelt, daß man es mit dem Nagel des Fingers vollständig und mit ungemeiner Leichtigkeit gänzlich von der Haut entfernen kann, jede Spur von Haar, selbst die Haarwurzel, ist verschwunden, und die Haut, ohne auch nur im mindesten davon angegriffen oder beschädigt zu seyn, ganz blank und in ihrer vollkommen natürlichen Gestalt; ja man würde, wenn man die Masse selbst drei bis vier Stunden hindurch auf die Haut einwirken lassen wollte, dennoch nicht die mindeste Beschädigung derselben zu befürchten haben, indem die Erfahrung