Text-Bild-Ansicht Band 67

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so daß sie im Krapp nicht mehr einfärben; der Grund davon ist, daß die englischen Zeuge gewöhnlich leichter und auf mechanischen Stühlen erzeugt sind, daß der Weber wenig oder gar kein Fett anwendet, endlich daß das Bleichen meistens kurze Zeit nach dem Weben vorgenommen wird.

Wir haben mit Vergnügen bemerkt, daß man schon in mehreren Fabriken zum Laugen kohlensaures Natron anstatt des äzenden anwendet, nachdem man den Stüken zuvor eine Kalklauge gegeben hat.

In mehreren Fabriken hat man die Harzseife (Colophoniumseife) beim Bleichprocesse sehr vortheilhaft befunden, in anderen wurde sie als unnüz aufgegeben.

Wir hatten auf unserer Reise auch Gelegenheit eine der größten Bleichanstalten bei Elberfeld zu besuchen. Die Eigenthümer versicherten uns, daß sie bisher kein reines Weiß zu erzielen im Stande waren, weil sie lauter schwere schlesische Zeuge bleichen, die immer einige Monate liegen bleiben, ehe man sie ihnen überschikt, und welche man auf Handstühlen mit Anwendung vielen Fettes webt. Seit einigen Monaten aber benuzten sie das im Mülhauser Bulletin Nr. 48 (Polyt. Journal Bd. LXIV. S. 448) empfohlene Bleichverfahren und erhielten seitdem ein vollkommenes Weiß. Dieses Verfahren besteht bekanntlich darin, die Stüke mit Kalk auszukochen, zu säuern und hierauf mit kohlensaurem Natron anstatt mit äzendem zu laugen.

Ein Fabrikant in Manchester hat ein Patent auf ein neues Bleichverfahren genommen, wobei die Stüke nicht aus den Kufen kommen. Es ist beinahe dasselbe wie das kürzlich ohne Erfolg in einer Bleicherei in Mülhausen versuchte. Das englische Verfahren besteht darin, die rohen Stüke in eine große steinerne Kufe zu bringen, welche man genau verschließt und durch die man dann mittelst Pumpen alle Flüssigkeiten, nämlich die Lauge, das Wasser, die Chlorkalklösung, die Säuren etc. hindurchtreibt. Es ist nicht wahrscheinlich, daß man nach diesem Verfahren ein reines Weiß für Krappartikel zu erzeugen im Stande ist, weil den Zeugen dabei keine mechanische Reinigung zu Theil wird; für Zeuge, die bloß zum Appretiren weiß gemacht werden und denen daher nicht alle fettigen Theile entzogen zu werden brauchen, ist dieses Verfahren aber vielleicht ausreichend.8)

8)

Die Verfasser meinen hiemit ohne Zweifel Bridson's Patent-Bleichverfahren; dasselbe ist auch hauptsächlich nur für Leinewand berechnet, welche appretirt werden soll, man vergleiche Polyt. Journal Bd. LXIII. S. 178. A. d. R.