Text-Bild-Ansicht Band 120

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Die Bedingungen zur Bildung der Löthrohrflamme zerfallen 1) in die physikalischen, 2) in die chemischen. Unter die ersteren rechne ich die Verbrennungsmethode und die mechanischen Vorrichtungen; unter die letzteren die Qualität der Gase.

Die einzelnen Theile der Lichtflamme als bekannt voraussetzend, beschränke ich mich auf bloße Beschreibung derselben, so weit sie der Verständniß wegen hierher gehören, und verweise im übrigen auf das Werk: von Berzelius über Anwendung des Löthrohrs.

Die Löthrohrflamme (jede Lichtflamme) erzeugt ihr Gas auf dem Wege der trockenen Destillation, indem die strahlende Wärme abwärts wirkt, und so viel Brennstoff flüssig macht, als zur Verbrennung, zur Unterhaltung der Flamme nothwendig ist. Die Lichterscheinung selbst ist die dünne, brennende Gasstromoberfläche, der Gasmantel, welcher einen unverbrannten Gaskegel einschließt. Die intensivste Hitze ist an derjenigen Stelle, wo die atmosphärische Luft mit dem Gase zuerst zusammentritt, wo also die rascheste Verbrennung vor sich geht.

Durch richtige Anwendung des Löthrohrs auf eine solche Flamme, Fig. 30, wird nun nicht nur der in der Mitte der Flamme vorhandene, unverbrannte Gaskegel a vollkommen verbrannt, sondern das Mitreißungsvermögen des Düsenwindes, Fig. 31 (Löthrohrspitze), zieht den leuchtenden Flammenmantel b, Fig. 30, nach innen, und bildet so den concentrirten Flammenstrahl c, c, Fig. 31, die eigentliche Löthrohrflamme.

Die Löthrohrflammenbildung geht also nur im Freien, oder überhaupt nur dann vor sich, wenn der Gasstrom an seinen Wandungen bereits zur Flamme geworden ist, innen aber einen unverbrannten Gaskegel bildet.

Der auf eine solche Flamme angewendete Löthrohr- oder Düsenwind ist das mechanische Mittel zur Concentrirung der leuchtenden Gasstromwandung b, b, bedarf aber des unverbrannten Gaskegels a, a, um seinen Sauerstoff abgeben zu können, um die gewünschte reducirende, gleichsam neutrale Flamme zu bilden.

Versuche haben gezeigt, daß auf dem Wege der bisherigen Gasentwickelungsmethode in Gas- und Flammöfen, d. h. unter unmittelbarer Zuströmung von atmosphärischer Luft in das zur Gasentwickelung bestimmte Material, die beschriebene Flammenqualität, die eigentliche Löthrohrflamme, nicht erzeugt werden kann:

a) Der in die Flamme eines gewöhnlichen Gasofens über der Feuerdrücke geleitete Wind zerstreut unter Brausen die Flamme, und liefert unter allen Pressungs- und Mengenverhältnissen nur eine