Text-Bild-Ansicht Band 120

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vorher in Oelsatz oder in Salpeter eingeweicht zu haben. Virgil, Columella, Plinius und Palladius, welche über den Ackerbau schrieben, theilen Vorschriften mit, um das Keimen und Schossen der Pflanzen zu befördern. Dieser Gebrauch hatte, wenn auch unter Veränderungen, nie aufgehört, und wir finden ihn in den besten neuern Werken über Landwirthschaft erwähnt; die Schriften von Olivier, Chomel und das alte „maison rustique“ enthalten viele Vorschriften zum Zubereiten des Saatkorns, um reichlichere Ernten mit demselben zu erzielen. Man hatte diese Verfahrungsweisen fast vergessen, als in neuerer Zeit ein Landwirth der Auvergne sie wieder in Aufnahme brachte. Hr. v. Douhet nahm nämlich am 28. Decbr. 1844 ein Erfindungspatent für 15 Jahre, um alle Arten von Samenkörnern mit einem Ueberzug oder einer Hülle concentrirten Düngers zu versehen; er benutzte dazu Ammoniaksalze, Cyanverbindungen, gewisse schwefelsaure Salze, salpetersaure Salze, Schießpulver, doppelt-kohlensaure Salze, sowie sehr stickstoffhaltige und an phosphorsauren Salzen reiche Düngmittel und Substanzen. Die HHrn. Lebel in Bechelbronn, Crespel in Arras, Quesnard in Loiret und viele Oekonomen des Indre-Loire-Departements haben dieses Verfahren, die Samen zuzubereiten, angenommen und sagen, daß sie sich hinsichtlich der Ernte sehr gut dabei befinden.

Besonders seit der Pariser Industrie-Ausstellung von 1849 warf sich die Speculation auf diesen Gegenstand. Ich wurde deßhalb beauftragt, die von den HHrn. Bickes, Huguin und Dusseau verkauften Pulver und Flüssigkeiten, von welchen die Zeitungen den größten Lärm aufschlugen, zu analysiren.

I. Dünger des Hrn. Bickes.

Dieser Dünger, stickstoffhaltiges Pulver (poudre azotique) genannt (Privilegium vom 27. Decbr. 1847), wird in 17 Sorten angefertigt für Bäume, holzige Gewächse, Weinstöcke, Kartoffeln, krautartige Gewächse, Blumen, Kohl, Artischocken, Melonen, Gurken etc. Für jede besondere Gewächsart ist der Dünger wieder verschieden, je nachdem er in thonigem, sandigem oder kalkigem Boden wirken soll.

Ich habe nur das für Getreidearten bestimmte Pulver analysirt. Mit 5 Litern wird nach dem Erfinder ein Hektoliter Weizen zubereitet, welcher zum Besäen einer Hektare gehörig umgeackerten, nicht gedüngten Feldes hinreicht. Man verfährt dabei wie folgt.