Text-Bild-Ansicht Band 120

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Dünger aber sind nur stimulirende Gemenge, welche das Keimen des Samenkorns sicherer und rascher hervorzurufen, vielleicht auch das Saatkorn gegen Angriff von Insecten zu schützen und die Entwickelung des Brandes zu verhindern vermögen, mit andern Worten, sie sind lediglich Mittel zum sogenannten Kalken des Getreides. Alles was sonst von ihren Kräften als Dünger gerühmt wird, beruht auf Unwissenheit oder Charlatanerie.

Der Boden gibt nur dann reichliche Ernten wenn ihm die verschiedenen mineralischen und organischen Substanzen welche ihm von den Pflanzen entzogen wurden, beständig wieder ersetzt werden. Da nun die Erfahrung von Jahrhunderten lehrt, daß, um eine Hektare Feld in den Zustand guter Production zu versetzen, erforderlich sind:

30000 Kilogr. guter landwirthschaftlicher Dünger, welche 124 Kilogr. Stickstoff und 81 Kilogr. phosphorsauren Kalk enthalten,

oder 1800 Kilogr. Taubenmist (Colombine),

oder 1800 — Thierkohle,

oder 1750 — Staubmist (Poudretts),

oder 1600 — Wollenlumpen,

oder 12 bis 1500 Knochenmehl,

oder 750 Kilogr. getrocknetes Blut,

oder 504 Kilogr. Pferdefleisch,

oder 400 Kilogr. Guano,

oder 4 — 5 Hektoliter Kohle aus Zuckerraffinerien,

oder 114 — 140 Hektoliter flämischer Dünger etc.;

da man ferner weiß, daß jede Kartoffelernte dem Boden 123 Kilogr Mineralsubstanzen entzieht, unter welchen sich 63½ Kilogr. Kali befinden; daß jede Weizenernte ihm 222 Kilogr. anorganischer Stoffe entzieht, unter welchen 19 Kilogr. Phosphorsäure und 27 Kilogr. Kali, so begreist man, daß mit 5 Liter des stickstoffhaltigen Pulvers von Bickes, oder 5 Kilogr. des kohligen Pulvers von Huguin, oder 15 Liter der salzigen Flüssigkeit von Dusseau, das Feld unmöglich vernunftgemäß und gewinnbringend bestellt werden kann.

Die Pflanzen würden in einem auf solche Weise bestellten Boden zu ihrem ersten Wachsthum angereizt werden, einmal entwickelt aber um sich herum im Boden nichts mehr finden und daher Hungers sterben wie ein Mensch, welcher bloß Salz und Gewürze, aber weder Brod noch Fleisch zu essen bekäme.93

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Ein englischer Oekonom, Hr. Nesbit, wandte sich hinsichtlich der außerordentlichen Resultate, welche Zeitungsnachrichten zufolge die Pulver zum Befruchten der Samen in Frankreich geliefert haben sollten, an Hrn. Prof. Payen und erhielt von letzterem folgende Antwort: „Die ausschließliche Anwendung einer kleinen Menge pulverförmigen oder flüssigen Düngers, um die Samen einzuhüllen, könnte für den Oekonomen nur nachtheilig und gefährlich seyn. Dieß ist auch die Meinung des Hrn. Boussingault und meiner übrigen Collegen. Ueberdieß wurden bereits in Frankreich vergleichende Versuche von Hrn. Mohl und einigen anderen Oekonomen angestellt, welche vollkommen fehlschlugen. Die zahlreichen Anzeigen zu Gunsten dieses lächerlichen Cultursystems; ohne Dünger, welche in den französischen Zeitungen erschienen, ließen die Speculanten selbst auf ihre Kosten einrücken.“ (Moniteur indusriel, 1851, Nr. 1556.)