Text-Bild-Ansicht Band 120

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wozu er durch die ausgeschriebene Preisbewerbung für die Semmeringbahn veranlaßt wurde. Diese Maschine ist bestimmt, um mit kleiner Geschwindigkeit Züge von 100 bis 120 Tonnen über Rampen von 25 Millimeter per Meter in Krümmungen von 180 Meter Halbmesser zu ziehen. Hr. Tourasse wendet die gegenwärtig bekannten Mittel zweckmäßig an, um Locomotiven von großer Zugkraft zu erhalten. — Bei dieser Gelegenheit theilte er auch eine neue Methode mit, um die Adhärenz der Locomotiven mit sechs gekuppelten Rädern zu vergrößern, wenn die hintere Achse, hinter dem Feuerraum angebracht, nur einen Bruchtheil derjenigen Last trägt, die sie nach Verhältniß ihrer eigenen Dimension, derjenigen ihrer Räder und des Widerstandes der Schienen, aufzunehmen im Stande ist; dieses Mittel, welches sich Hr. Tourasse im J. 1842 für Frankreich patentiren ließ und das er schon früher auf der Lyoner Eisenbahn anwandte, besteht darin, nach Belieben einen Theil vom Gewicht des Tenders auf den Hintertheil der Locomotive zu übertragen. Seit einigen Jahren gibt man das Wasser und die Kohks auf die Locomotiven, entweder um den Tender zu entbehren und so den gezogenen Train zu erleichtern, oder um das Gewicht und die Adhärenz der Locomotive zu vergrößern; aber dieses Aushülfsmittel hat nur beschränkte Anwendungen, und bis jetzt scheint es nicht erwiesen zu seyn, daß man für lange Fahrten den Tender ganz entbehren kann. Das erwähnte Verfahren des Hrn. Tourasse verdient daher alle Beachtung. Le Chatelier. (Bulletin de la Société d'Encouragement, April 1851, S. 189.)

Verfahren das Wegfliegen von Steinstücken bei Felsensprengungen zu verhüten.

Beim Bau der böhmisch-sächsischen Eisenbahn waren sehr viele Felsensprengungen in den ziemlich dicht bewohnten Gegenden des nördlichen Böhmens nothwendig; es war daher an vielen Stellen dieser Bahntrace geboten, den Schaden welchen wegfliegende Steinstücke an den nächst der Bahn gelegenen Häusern verursachen könnten, möglichst zu verhüten. Bei Podbaba unterhalb Prag wurde zu diesem Ende folgendes sehr einfache Schutzmittel bei den daselbst nöthig gewesenen zahlreichen Felsensprengungen mit dem gelungensten Erfolg in Anwendung gebracht.

Nachdem das Sprengloch geladen und der Sprengzünder eingeführt ist, deckt man das Loch mit einem Geflechte von Weidenruthen zu, und läßt den Sprengzünder durch ein in der Mitte dieses Geflechtes angebrachtes und mit Blech ausgefüttertes Loch durchgehen, damit derselbe auf gewöhnliche Art angezündet werden kann. Dieses Weidengeflechte, Hurde genannt, braucht nicht größer zu seyn als sechs Fuß im Gevierte. Sobald der Schuß losgeht, wird es zwar durch den Druck der beim Sprengloche entweichenden Gase gehoben, aber keineswegs fortgeschleudert, und wie oftmalige Anwendung dieser Hurden bewiesen hat, wird die zerstreuende Wirkung des Schusses hiedurch so vollkommen aufgehoben, daß die Felsenstücke in sehr geringer Entfernung von dem Sprengloche liegen bleiben. Durch Anwendung dieser Hurden ist es gelungen, die in sehr naher Entfernung von dem Sprengloche gelegenen Häuser vor jeder Beschädigung zu bewahren. (Zeitschrift des österreich. Ingenieur-Vereins, 1851 Nr. 3.)

Ueber die Gutta-percha und deren Anwendung im vulcanisirten Zustande zur Isolirung der Kupferdrähte; von Baron H. Gersheim, Chemiker in Wien.

Da ich durch Zufall veranlaßt, die praktische Anwendung der Gutta-percha näher ins Auge faßte, wurde ich dadurch mit den Eigenschaften dieses Körpers ziemlich bekannt, und halte es nicht für uninteressant, einige meiner dießfälligen Erfahrungen in Kürze anzuführen. Den Lesern dieser Blätter dürfte diese Mittheilung um so