Text-Bild-Ansicht Band 117

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et de Phys. t. XXXV, p. 329, Jahrg. 1827). Seit zwei Jahren mit Untersuchungen über das Regenwasser beschäftigt, hatte er gefunden, daß der nach Gewittern gefallene Regen Salpetersäure, an Kalkerde oder Ammoniak gebunden, enthalte, und dieß schien ihm im Hinblick auf die Bestandtheile der atmosphärischen Luft durchaus nicht überraschend; er hielt aber seine Beobachtung für neu und erklärte durch dieß Factum den Gehalt des Bodens an salpetersauren Salzen, wenn schon in demselben thierische, stickstoffhaltige Substanzen, welche die Bildung von Salpetersäure zu vermitteln im Stande gewesen wären, nicht zugegen sind. In einem bereits 1809 geschriebenen Aufsatze von Longchamp „Ueber einige Erscheinungen bei der Bildung des Salpeters“ (Journal de Physique, t. LXIX, p. 107) findet man jedoch sowohl die Erwähnung jener von Liebig mitgetheilten Thatsache, als auch die von ihm für den Gehalt des Bodens an Nitraten gegebene Erklärung. Longchamp machte auf diese Priorität in einer am 28. April 1828 in der Akademie gelesenen Bemerkung, sowie in einem im Februar 1829 in den Annales des sciences d'observation abgedruckten Aufsätze über die Bildung des Salpeters aufmerksam.

Gaultier de Claubry erwähnt in seinem im Jahr 1833 der Akademie vorgelegten Aufsatze Ueber den salpeterbildenden Kalkstein des Pariser Bodens (Annales de Chimie et de Physique, t. LII, p. 24) nicht ein einzigesmal der Arbeiten Longchamp's, welche doch den von ihm behandelten Gegenstand bereits erschöpft hatten.

Wir müssen hier noch der von Kuhlmann veröffentlichten merkwürdigen Beobachtungen „über die Umänderung des Ammoniaks in Salpetersäure“ erwähnen, welche unter dem Einflusse von atmosphärischer Luft und Platinschwamm stattfindet. Für einen Irrthum erklärt es Longchamp freilich, wenn der gedachte Chemiker in dieser Beobachtung eine Erklärung für die Vorgänge bei der Salpeterbildung zu finden glaubt, zumal wenn er sagt: „Man kann mit Sicherheit annehmen, daß die Kenntniß der von mir constatirten Thatsachen unser Vaterland über die Schwierigkeiten oder gar die Unmöglichkeit zu beruhigen im Stande seyn dürste, welche damit verknüpft sind, im Falle eines allgemeinen Seekrieges eine genügende Menge Salpeter zu erzeugen; daß diese Kenntniß Veranlassung dazu geben dürfte, die frühere Art der Verproviantirung mit Salpeter für die Bedürfnisse des Staates aufzugeben und durch eine neue zu ersetzen.“ (Comptes rendus etc., t. VII, p. 1109, Jahrg. 1838.)

Es unterliegt gegründetem Zweifel, ob das gesammte Geld Frankreichs hinreichen würde, um die durch die Erzeugung von 1 Million