Text-Bild-Ansicht Band 117

Bild:
<< vorherige Seite

Menge Wasserstoff gemengt, mit Platinschwamm in Berührung kommen, in Ammoniak umgewandelt. Dieser Proceß geht so energisch vor sich, daß bei demselben öfters eine heftige Explosion stattfindet.“

§. 4. „Freier Stickstoff kann sich mit freiem Wasserstoff nicht verbinden, wohl aber können alle stickstoffhaltigen Verbindungen durch freien oder gebundenen Wasserstoff in Ammoniak umgewandelt werden.“

§. 5. „Salpetersaure Salze als Dünger angewendet, wirken nur insofern, als durch die desoxydirende Wirkung der Fäulniß ihre Säure in Ammoniak umgewandelt wird.“

§. 6. „Die salpetersauren Salze werden in Ammoniak umgewandelt, wie dieß folgende Ergebnisse beweisen:

a) „Wenn man einige Stückchen Salpeter in ein Gemenge von Eisen oder Zink und Schwefelsäure bringt, so wird die Entwickelung von Wasserstoff so lange gehemmt, bis der ganze Säuregehalt des salpetersauren Salzes in Ammoniak umgewandelt worden ist.“

b) „Eine gleiche Umwandlung bewirkt Schwefelwasserstoffgas im Augenblicke seiner Bildung (in statu nascente), indem Schwefel ausgeschieden wird.“

§ 7. „Wenn ich einerseits überzeugt bin, daß die salpetersauren Salze nur dann als Dünger wirksam werden, nachdem sie bis zu einer gewissen Tiefe in dem Boden eine Zersetzung erlitten haben, in Folge deren kohlensaures Ammoniak gebildet worden ist, so bin ich der nicht weniger festen Ueberzeugung, daß die Fruchtbarmachung des Bodens auch noch von einer Reaction in umgekehrter Reihenfolge der Processe bedingt wird — einer Reaction, welche die Verflüchtigung des Ammoniaks verhindert; nämlich von der Umwandlung der Ammoniaksalze in Nitrate — eine Umwandlung, welche in den oberflächlich gelegenen Theilen des Bodens stattfindet, falls dieser die passende chemische Zusammensetzung hat, und falls die nöthigen Bedingungen, nämlich ein gehöriger Feuchtigkeitsgrad und eine passende Temperatur, erfüllt werden.“

§ 8. „In der Umwandlung des Ammoniaks in Salpetersäure liegt also die einfachste und folgerichtigste Erklärung der Salpeterbildung.“

Nach Kuhlmann's Theorie spielt also der Stickstoff der atmosphärischen Luft bei der Salpeterbildung gar keine Rolle; und der Sauerstoff derselben wirkt nur, indem er zunächst den Wasserstoff des Ammoniaks verbrennt, und sich dann, obschon er keineswegs in statu nascente ist,