Text-Bild-Ansicht Band 117

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Roche-Guyon, in den Grotten von Ceylon, im Boden der pyrenäischen Halbinsel und Ostindiens, kurz an allen den Orten und in allen den Bodenarten, in und aus welchen man Salpeter gewinnt, thierische Stoffe durchaus nicht vorhanden sind, wo ist dann jenes Ammoniak, welches nach Kuhlmann's Theorie seinen Stickstoff hergeben soll, um Salpetersäure zu bilden? Da dieses Ammoniak in der Wirklichkeit gar nicht existirt, so hat die auf die Annahme von seiner Existenz basirte Theorie nicht den geringsten Halt, sondern bricht von selbst zusammen. Deßhalb ist es wohl überflüssig, auf einen Widerspruch aufmerksam zu machen, welcher klar vor Augen liegt; nach Kuhlmann findet nämlich die Verbrennung des Wasserstoffs durch den Sauerstoff der Luft und seine Vereinigung mit dem Stickstoffe derselben zu Ammoniak erst bei einer Temperatur von 300° C. statt (vergl. §. 1); wer hat nun aber eine so hohe Temperatur im Boden von Kellern und Gewölben oder in der Erde der Felder jemals nachgewiesen?

Auch die in §. 7 ausgesprochene Ansicht von der Bildung von Ammoniak in einer Tiefe von 8 bis 10 Centimeter, und von der Umwandlung dieses Ammoniaks in Salpetersäure auf der Oberfläche des Bodens, zu dem Zweck, damit das kohlensaure Ammoniak sich nicht in die Luft verflüchtigt, läßt sich nicht wohl begreifen; ein solches Spiel von Verbindung und Zersetzung hat mindestens nicht viel Wahrscheinliches, keine einzige Analogie auf dem weiten Gebiete der Chemie.

Die von Kuhlmann beobachteten Thatsachen sind gewiß vom höchsten Interesse für die allgemeine Theorie der Wissenschaft, aber auf die Erscheinungen bei der Salpeterbildung sind sie durchaus nicht anzuwenden.

Rückblick. — Die von Longchamp seit fünfundzwanzig Jahren debattirte Theorie der Salpeterbildung hat die Aufmerksamkeit der Chemiker bei weitem nicht in dem Grade erregt, wie sie das große Phänomen der Nitrification, welches Glauber subjectum universale genannt hat, gewiß verdient. Denn der Salpeter zeigt sich in der That auf der ganzen Erdoberfläche verbreitet, wo die poröse Beschaffenheit des Bodens die Absorption der Bestandtheile der Atmosphäre begünstigt, und diese Thätigkeit des Bodens wirkt vielleicht mit einer viel ausgedehntern, großartigeren Kraft als alle Lungen sämmtlicher lebender Wesen. Der Lebensproceß der Pflanzenwelt gibt der Luft den beim Processe der Verbrennung des Kohlenstoffs verbrauchten Sauerstoff zurück, aber vergebens suchen wir nach einem Vorgange, welcher ihr die Sauerstoffmenge zurückzugeben vermag, die der Stickstoff bei seiner Umwandlung