Text-Bild-Ansicht Band 105

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man sie so lange als möglich aufschiebt. Man kann sich eine Vorstellung von der verlorengehenden Zeit machen, wenn man weiß, daß man bei 15 bis 1800 Fuß Tiefe zu dieser Verrichtung täglich nichtweniger als 6 bis 8 Stunden und mehrere Pferdekräfte braucht, während bei den chinesischen Instrumenten nur 6 bis 8 Minuten erforderlich sind, weil das Seil derselben nur auf eine Trommel gewickelt zu werden braucht, wozu die Kraft von zwei Männern hinreicht.

Die Gegner des chinesischen Verfahrens glauben, das Loch könne von der senkrechten Linie abweichen; dieser Fall ist dabei aber noch niemals eingetreten; wohl aber bei der Stangenbohrung. Das mit einem 100 bis 200 Kilogr. schweren Rammblock versehene Seil ist eine vollkommene Senkschnur, die nicht abweichen kann, selbst wenn sie auf einen geneigten Felsen auffällt; denn man kann den Bohrcylinder (Rammblock) oder die durch denselben gehende Stange sehr lang machen, so daß die Spitze desselben nicht abweichen kann; mit einer Kugel, die wieder aufspringen und sich einen Weg auf der Seite bahnen könnte, wäre es freilich ein anderes, ein langer Cylinder aber bleibt immer in der verticalen Richtung.

Viele welche den Stangenbohrer anwenden, das Bohren mit dem Seil aber nur oberflächlich kennen, behaupten letzteres ohne guten Erfolg versucht zu haben; sie wissen aber recht gut, daß es, wenn sie dieses Verfahren einführten, um ihr Monopol geschehen wäre, weil dann ihre kostspieligen Instrumente, ihr Rath und ihre Talente für jedermann entbehrlich waren. Graben doch die chinesischen Bauern ebenfalls Salzbrunnen, ohne hiezu jemand zu bedürfen; so einfach und leicht ist ihr Verfahren. „Wenn zwei Bauern, sagt Pater Imbert, so viel besitzen, daß sie 2 bis 3 Jahre, ohne etwas zu verdienen, leben können, so verbinden sie sich, um mit einander einen Brunnen zu bohren, dessen Salzwasser ihnen täglich ungefähr 30 Frcs. einträgt. Es gibt in der Provinz Ou-Tong-Kiao reiche Leute, welche mehrere Hundert solcher Brunnen besitzen, aus welchen das Salzwasser mittelst einer langen Bambusröhre, die unten mit einem Ventil versehen ist, herausspringt.

Wenn den Chinesen das in den Salinen zu Dieuze befolgte Verfahren, das Salzwasser durch den Druck des süßen Wassers zu heben, bekannt wäre, so würden ihnen ihre Brunnen einen hundertmal so großen Ertrag liefern; da es aber nicht nur die Chinesen sind, welchen dieses sinnreiche Verfahren unbekannt ist, so will ich es in Kürze mittheilen.

Wenn man bei einer Bohrung auf das Salzlager gekommen ist