Text-Bild-Ansicht Band 155

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der Spitze der Auffangstange die mannichfachsten Neuerungen vorgeschlagen. Ich übergehe die Aufzählung der letzteren, und theile nur kurz das mit, was die akademische Commission zu Paris im J. 1854 hierüber anordnete. Hiernach soll nämlich die Spitze ein massiver Kegel aus Platin seyn, dessen Durchmesser gleich dem des obersten Endes der Auffangstange ist, und dessen Spitzenwinkel nie unter 28 bis 30 Grad herabsinkt, dessen Höhe also beziehungsweise das 2,005 bis 1,87 fache des Durchmessers der Basis seyn soll. Diese Spitze soll ferner unmittelbar in die eiserne Auffangstange an deren oberem Ende eingeschraubt und nach dem Einschrauben mit Schlagloth verlöthet werden. Diese Anordnungen sind nun im Allgemeinen sehr sorgfältig, und sind der Nachahmung auch wirklich zu empfehlen. Was aber das Material der Spitze betrifft, so muß ich bemerken, daß die oben angegebenen Gründe das Platin mir für diese Zwecke nicht als geeignet erscheinen lassen können. Man hat zwar bis zum heutigen Tage immer annehmen zu müssen geglaubt, daß die Spitze aus einem Metalle bestehen müsse, das den möglich höchsten Schmelzgrad besitzt, um durch Blitzesentladungen niemals verletzt zu werden. Aus diesem Grunde hat man schon im J. 1823 das Platin vorgeschlagen, aber da selbst diese Anordnungen in der Praxis sich nicht bewährten, so hat man im Jahre 1854 den Spitzenwinkel so beträchtlich vergrößert, daß schon in der Nähe der Spitze der Querschnitt des Kegels ein nicht zu geringer werde. Indem ich nun das, was bezüglich der Verbindungsweise der Spitze mit der Auffangstange von der französischen Commission angeordnet wurde, als maaßgebend ansehe, bemerke ich, daß unter den gegenwärtig bekannten Metallen kein anderes als chemisch reines Silber für die Spitze als geeignet gewählt werden kann. Das reine Silber hat außer den hier zu berücksichtigenden Eigenschaften noch die, daß es sich sehr leicht bearbeiten und mit allen Metallen gut metallisch vereinigen läßt. Sein Schmelzpunkt ist unter Anwendung gewöhnlicher Wärmequellen zwar weit geringer, als der des Platin, aber immerhin nicht gering, denn das reine Silber geht bekanntlich erst, wenn es bis zu einer Temperatur von 800° R. erhitzt wird, in den wasserförmigen Zustand über; aber unter Einwirkung von Entladungsströmen (und anderer Stromquellen) wird unter sonst gleichen Umständen ein Silberdraht noch gar nicht erwärmt, wo hingegen das Platin schon weißglühend wird und sogar zu schmelzen beginnt. Diese Eigenschaft des reinen Silbers gestattet daher auch, den Silberspitzen für Blitzableiter einen noch etwas kleineren Winkel zu geben, als denen aus Platin, und es möchte bei jenen immer die Höhe gleich dem 2,4 fachen des Durchmessers der Basis genommen werden dürfen.