Text-Bild-Ansicht Band 155

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In Beziehung auf die Leitung hat man außer den oben (unter Nr. 3) aufgestellten Anforderungen noch einige andere Bedingungen bei der Wahl des Materiales derselben zu berücksichtigen. Vor allem muß die Leitungsfähigkeit der metallenen Leitung groß genug seyn, um bei mäßiger Dicke unter keinerlei Umständen eine wahrnehmbare Wärmewirkung zu erfahren, wenn in dem Blitzableiter ein Entladungsstrom zu Stande kommen sollte. Außerdem soll auch die Leitung geschmeidig und überhaupt so aufzustellen und anzulegen seyn, daß zur Einrichtung derselben die einfachsten Mittel ausreichend sind. Es sollen schadhafte Stellen leicht ausgebessert und durch neue Leitungsstücke ersetzt werden können, ohne daß dabei die ganze Leitung irgend wie beeinträchtigt wird. Das Leitungsmaterial soll sowohl durch Einwirkung von schwächeren oder stärkeren elektrischen Entladungsströmen, als auch durch eintretende Abkühlungen oder Erhitzungen an einzelnen Stellen etc., keinerlei Aenderung in seinem Gefüge erleiden, und zu allen Zeiten nahezu dieselbe Dehnbarkeit und ausreichende Festigkeit behalten. Endlich sollen die Kosten einer brauchbaren Leitung in einem passenden Verhältnisse zu den Anlegekosten des Gebäudes etc. stehen, für dessen Schutz sie bestimmt ist.

Die hierüber angestellten Untersuchungen zeigen, daß für lange Leitungen sich nur das Kupfer, das Eisen und das verzinkte Eisen eignen, das Messing aber für diese Zwecke nicht empfohlen werden kann. Das Eisen und das verzinkte Eisen können sowohl in Form von cylindrischen Stäben oder auch in Seilform zur Anwendung kommen, während das Kupfer nur in seinem reinsten Zustande auch in Seilform, das gewöhnliche Kupfer aber nur als einfacher Draht zur Benutzung vorgeschlagen werden kann. Zum Schutze gegen atmosphärische Einwirkungen etc. bedarf aber jede eiserne Leitung ihrer ganzen Ausdehnung nach eines Anstriches mit einem geeigneten Oelfirniß, während die übrigen Metallsorten derlei schützende Bedeckungen nur an solchen Stellen bedürfen, wo sie zufälligen nachtheiligen Einwirkungen ausgesetzt sind, wie dieß z.B. in der Nähe geheizter Kamine oder an den Dachflächen überhaupt der Fall ist.

Was nun die Stärke der cylindrischen Leitung aus Eisen, verzinktem Eisen oder Kupfer betrifft, so richtet sich diese im Allgemeinen nach der Länge der Strecke, welche sie von der Auffangstange aus bis zur Einmündung in den Boden zu durchlaufen hat. Die hierüber gesammelten Erfahrungen, wie sie aus wirklich eingetretenen Blitzentladungen hervorgehen, zeigen, daß der Durchmesser einer cylindrischen Leitung aus Schmiedeeisen niemals unter 6 Par. Linien genommen werden darf. Mit Zugrundelegung dieser Annahme und unter Berücksichtigung des specifischen