Text-Bild-Ansicht Band 155

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bis auf den heutigen Tag eine Ansicht vererbt, nach welcher man bei sorgfältigen Blitzableitereinrichtungen die Zahl der Auffangstangen bestimmt, mit denen man ein Gebäude versehen muß, um von den an ihm anzubringenden Blitzableitersystemen den sicheren Schutz gegen Blitzesentladungen zu erhalten. Nach dieser Regel – die Charles'sche genannt – (die übrigens von Landriani schon früher aufgestellt wurde) soll nämlich die Wirkungssphäre eines Blitzableiters bestimmt seyn durch die doppelte Länge der Auffangstange, so daß also ein Blitzableiter nach jeder Seite hin seine schützende Wirkung auf eine Distanz, die gleich der doppelten Höhe der Stange ist, auszuüben vermöchte. Abgesehen von der Unbestimmtheit, mit welcher diese Regel an und für sich aufgestellt wurde, so sind bis jetzt noch gar keine Thatsachen vorhanden, welche die Aufstellung einer solchen Regel zulassen. Außerdem wurde diese Regel in der Praxis bis jetzt in der willkürlichsten Weise ausgelegt. Manche faßten die Bedeutung derselben so auf, daß ein Blitzableiter nach jeder Seite hin einen Schutz ausübe, dessen Halbmesser bestimmt sey durch das Doppelte der von der äußersten Stelle des zu schützenden Objects auf die Verlängerung der verticalen Auffangstange gezogenen Senkrechten. Man nahm also an, daß wenn ein an dem Dache oder an der äußeren Seite des Gebäudes befindliches Object überhaupt in der Horizontalebene, die man durch seine hervorragendste Stelle gelegt denken kann, von der Verticalen durch die Auffangstange um weniger entfernt ist, als das Doppelte der Entfernung dieser Horizontalebene unter der Spitze des Blitzableiters beträgt, jenes Object durch den Blitzableiter geschützt sey, oder in der sog. Sphäre der Wirksamkeit des Blitzableiters liege. Diese Auslegung der obigen Regel muß nun ganz und gar als eine absolut willkürliche angesehen werden, und hat keinen größeren Werth, als jene Annahmen, wo ein Wirkungskreis eines Blitzableiters ohne Rücksicht auf die Höhe der Auffangstange festgesetzt werden will.

Es kann nicht in Abrede gestellt werden, daß es wirklich eine Sphäre der Wirksamkeit für jeden Blitzableiter gibt, denn wir wissen aus den vielen bis jetzt gesammelten Erfahrungen, welche sich sowohl auf Blitzesereignisse an festen Bauwerken, als auch auf solche bei Schiffen, sowohl auf Blitzschläge auf dem Lande, als auf solche auf der See beziehen, daß die Blitzesentladungen immer gegen die hervorragendsten Objecte erfolgen, von welchen aus der Entladung der geringste Leitungswiderstand bis zum Innern der Erde sich darbietet. Dieß ist auch die sachgemäße Bedeutung einer anderen Regel, welche man in der Praxis als maaßgebend einführte, und vermöge welcher, wie man gewöhnlich sich ausdrückt: „der Blitz von der Spitze des Ableiters auf dem möglich