Text-Bild-Ansicht Band 155

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Als das geeignetste Schutzmittel für Pulvermagazine von größerer horizontaler Ausdehnung und geringer Höhe betrachtet man die Anordnung den Blitzableiter nicht an dem Gebäude selbst anzubringen, vielmehr ihn von diesem fern zu halten. Man hielt es daher für zweckdienlich, die Blitzableiter auf Mastbäumen, die in einiger Entfernung vom Gebäude sich befinden und von diesem gewissermassen isolirt sind, zu errichten, um hierdurch dem Magazine den sichersten Schutz gegen Blitzschläge zu verschaffen. Nach den in der älteren französischen Instruction (vom Jahr 1823) hierüber enthaltenen Bestimmungen soll die Entfernung der Mastbäume vom Gebäude zwischen 18 bis 25 Fuß, nach den Ansichten neuerer Physiker soll diese Entfernung etwa 8 bis 10 Fuß betragen. Die Spitzen der an den Mastbäumen anzubringenden Auffangstangen sollen hiebei jenen Bestimmungen zufolge zwischen 12 und 20 Fuß das Gebäude überragen, und die Zahl der aufgestellten Mastbäume soll so groß seyn, daß ihre Wirkungssphäre, diese nach der gewöhnlichen Auslegung der Charles'schen Regel geschätzt, das Gebäude, wie man dabei anzunehmen pflegt, zu schützen vermag. Diese Mastbäume werden mit Blitzableitern gewöhnlicher Unordnung versehen, aber ihre Anwendung setzt voraus, daß das Gebäude selbst an seinem Aeußeren, wie im Inneren in der Nähe der Mauern und Dachflächen, frei von allen metallischen Bestandtheilen bleibe.

Betrachtet man aber diese Anordnungen näher, so dürften manche Einwendungen und Zweifel gegen ihre Anwendbarkeit und Nützlichkeit auftauchen. Vor Allem wissen wir, wie oben erwähnt, über die wahre Größe des sog. Schutzkreises eines Blitzableiters so wenig, und dieses nur so unsicher, daß man bei der Anwendung der oben angegebenen, und selbst der später erwähnten, modificirten Regel nicht vorsichtig genug seyn kann. Es liefert sogar die Erfahrung einige Beispiele, daß Gebäude, die man dem Schutze hoher mit Blitzableitern versehener Bäume gegen Blitzschläge anvertraute, dennoch vom Blitze getroffen wurden, während die Bäume unbeschädigt blieben. Selbst wenn man die Zahl und Beschaffenheit der Bodenleitungen in der gehörigen Weise wählen würde, so könnten sichere Anhaltspunkte bezüglich der Wirksamkeit dieser Masten oder ihres gehörigen Schutzes dem Gebäude gegenüber aus den bisherigen Erfahrungen gar nicht geliefert werden.

Aber abgesehen hievon, so würde, weil so hohe Bäume nur sehr schwierig im Boden so zu befestigen sind, daß sie eine Bewegung an ihren oberen Enden durch starke Windstöße etc. nicht erfahren, die Dauerhaftigkeit der an diesen Bäumen angebrachten Blitzableiter auch nur für kurze Zeit in Frage gestellt werden; ihre Conservirung, so wie die der Ableiter würde eine