Text-Bild-Ansicht Band 155

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Theorie und die vielen – insbesondere aus älteren Zeiten – vorhandenen Thatsachen bedingten Anforderungen genügen will. Es handelt sich also weniger darum, neue Constructionen in Anwendung zu bringen, als nur das Bestehende und Bekannte in sachgemäßer Weise durchzuführen, und ich muß es nun den sachkundigen Lesern dieser Zeitschrift zur Beurtheilung überlassen, in wie weit mir die Erreichung des angestrebten Zweckes durch meine vorstehenden Betrachtungen gelungen ist. – Ich kann allerdings nicht in Abrede stellen, daß die vorstehenden Zeilen kaum ausreichen werden, den bis jetzt bestehenden Einrichtungen unserer Blitzableiter diejenigen Modificationen zu verschaffen, welche sie in Wirklichkeit bedürfen. Das bei uns eingeführte System zur Anlage von Franklin'schen Apparaten besteht (einige geringfügige Abänderungen abgerechnet) nunmehr seit fast einem halben Jahrhunderte; eine rationelle Basis, vom wissenschaftlichen Standpunkte aus, oder von dem der Erfahrung besitzt es nicht, aber gerade sein hohes Alter, das es jetzt schon erreicht hat, obgleich es schon von vornherein nur auf erkünstelte Weise seine Lebensfähigkeit sich zu erringen vermochte, ist es insbesondere, was seiner Umänderung so mächtig sich entgegenstellt. Denn wenn etwas einmal durch eine gewisse Zeit bestanden hat, so wirkt dieses Bestandenseyn oft weit stärker, als jede mögliche rationelle Ueberzeugung. Man wird freilich von manchen Seiten derlei Behauptungen dadurch abzusprechen sich für berechtigt fühlen wollen, daß man diesen entgegenhält: unsere seit dem ersten Decennium dieses Jahrhunderts eingeführten Blitzableitereinrichtungen hätten dadurch die Erfahrung für sich gewonnen, daß eben doch die Gebäude, denen sie angehören, von Blitzschlägen nicht getroffen worden seyen. Solchen Meinungen könnte ich, wenn ich es für nothwendig halten würde, durch einen ähnlichen Gemeinplatz, dessen Boden noch breiter ist, als irgend eine solche Meinung, entgegentreten, denn es gibt ja bekanntlich noch eine große Zahl von Gebäuden, die ohne Blitzableiter sind, und selbst in München lassen sich ganze Straßen aufzählen, wo die Blitzableiter an den Gebäuden entweder ganz oder zum großen Theile fehlen, und unter diesen sind sogar nicht wenige, die der sogen. Wetterseite direct ausgesetzt sind, und dennoch hat man bis jetzt niemals von einem Blitzesereignisse gehört, das eines dieser Gebäude getroffen haben sollte; man könnte daher füglich daraus den Schluß ziehen, daß die Blitzableiter für unsere Wohnhäuser überhaupt ein überflüssiges Attribut seyen. Ja noch mehr, wir versichern unser bewegliches und immobiles Eigenthum, so weit als nur thunlich gegen Feuerschaden etc., während doch – Dank der Vorsehung – die allerwenigsten der dieser wohlthätigen Einrichtung einverleibten