Text-Bild-Ansicht Band 155

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einige dieser Stoffe, wie z.B. Kartoffelkraut, als Viehfutter dienen, andere, wie die Strohgattungen u. dgl., andere Verwendung haben, darum im Vergleich zur Ausbeute an Faserstoffen zu theuer sind, oder wie die Trestern der Rüden aus den Zucker-Rüben-Fabriken zu schwer wiegen, um weiten Transport zu ertragen, der Holzfaser und anderer Surrogate, deren Bearbeitung zu theuer ist und dennoch kein haltbares Zeug gibt, nicht zu gedenken.

Es war daher eine äußerst glückliche Idee, das Maisstroh in Absicht auf den darin enthaltenen Faserstoff einer Untersuchung zu unterziehen, denn es hat dasselbe mit Ausnahme der Blätter, die hier und da als ein schlechtes Viehfutter benützt werden, gar keinen Werth. Bereits im 17. Jahrhundert bestand in Rievi eine Papierfabrik, welche ein treffliches Product geliefert haben soll und einen ausgebreiteten Ruf genoß. Wahrscheinlich ist aber das Verfahren mit dem Besitzer zu Grabe gegangen, da vielfältige Versuche, das Hinderniß der Papiererzeugung aus diesem Material, den Kieselerdegehalt und den in den Blättern enthaltenen Harzgehalt zu neutralisiren, fruchtlos geblieben.

In ganz neuester Zeit ist es einem ehemaligen Schreiblehrer Moritz Diamant gelungen, dieses Problem zu lösen und auf eine billige Weise Halbstoffe und Papier aus den Stengeln und Blättern des Maisstrohes herzustellen, welche nicht nur den Papieren aus Lumpen vollkommen gleichstehen, sondern dieselben noch in vieler Beziehung übertreffen. Die nachstehende extractive Mittheilung aus einem im vorigen Jahrgange in Rudel's Centralblatt für deutsche Papierfabrication S. 184“ enthaltenen Aufsatze möge die Wichtigkeit dieser Sache, welche bestimmt ist, eine für Producenten und Consumenten gleich wichtige Umwälzung in der Papierfabrication herbeizuführen, in helleres Licht stellen. Es heißt dort: „In neuester Zeit hat Diamant sich die Aufgabe gestellt und richtig gelöst, die Maisfaser für die Papierfabrication zu verwenden. Die von Diamant im Großen ausgeführten Versuche geschahen in der k. k. Aerarial-Papierfabrik zu Schlögelmühle bei Gloggnitz. Obgleich dieselbe durchaus nicht für Strohpapier eingerichtet und Diamant nur die vorhandenen Einrichtungen für Hadern benutzen konnte, so muß man anerkennen, daß die Resultate äußerst überraschend waren. Die Weiße und Reinheit des Papiers läßt in Rücksicht der verwendeten Apparate nichts zu wünschen übrig. Wenn man bedenkt, daß das Maisstroh ein ganz reines Naturproduct ist, das weder mit Fett, Schweiß, Sand, Knoten und andern Verunreinigungen, die in jedem Hader unausweichlich vorkommen müssen, behaftet ist, so ist auf die Reinheit des Papiers leicht zu schließen.

Die im gewöhnlichen Haderpapier vorkommenden und sehr lästigen Knöpfe, die ein allgemeiner Uebelstand sowohl im Drucken als Schreiben sind, können hier gar nicht vorkommen, und der sogenannte Knotenfänger, worüber sich sämmtliche Papierfabriken bisher immer beklagten, weil keiner ganz entsprach, kann beim Maisstroh ganz entbehrt werden. Dem praktischen Papierfabrikanten ist es bekannt, wie zeitraubend und mühsam das Reinigen und Stellen der Knotenfänger ist. Jedem Schreiber und Zeichner ist das lästige Abfasern beim Schreiben und Zeichnen bekannt; dieses Abfasern ist größtentheils Folge des Baumwollenzusatzes und der, mit Ausnahme einiger englischen Papierfabriken, allgemein eingeführten vegetabilischen Leimung, die dem Papiere keine compacte Oberfläche bietet; die englischen Papierfabriken müssen in Folge der großen Benutzung der Baumwolllumpen diesem Uebelstande durch die Leimung mit animalischem Leim abhelfen. Diamant hat nachgewiesen, daß er aus dem Maisstroh mit dem vierten Theil der gewöhnlichen Leimung nicht nur ein vollkommen gut geleimtes Schreib- und Zeichnenpapier erhält, sondern der Schreiber wird, selbst mit der schärfsten Stahlfeder, nie in die Lage kommen, seine Feder von einer Faser befreien zu müssen Die Dauerhaftigkeit und Qualität ist ganz analog dem besten Handpapiere mit animalischem Leim. Ein Versuch hinsichtlich der Spannkraft dieses Papieres wurde gemacht und es ergab sich, daß bei einer Belastung von 337 Pfd. ein Bogen Zeichnenpapier noch immer nicht auseinanderriß.

Es wäre somit durch die Erfindung Diamant's die große Frage gelöst, dem Publicum ein dauerhaftes und unverwüstliches Documenten-Papier zu liefern, das dem Zahne der Zeit ebenso zu widerstehen vermag, wie es bis jetzt nur bei dem geschöpften sogenannten Handpapier der Fall ist. Das Handpapier aber hat den Uebelstand, daß es nie die Gleichheit und Glätte der Oberfläche hat, wie das Maschinenpapier,