Text-Bild-Ansicht Band 155

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tritt die Reaction der Salpetersäure nicht ein, wenn viel Eisenoxydulverbindungen in der Probe enthalten sind, und es wird dieselbe unkenntlich bei Gegenwart größerer Mengen von organischen Stoffen; ein Zusatz von Bleioxyd zu dem doppelt-schwefelsauren Kali beseitigt zwar die Schwierigkeiten, man kann jedoch, um bei Anwesenheit von Chlorverbindungen sich nicht zu täuschen, nicht die gewöhnliche Bleiglätte benutzen, und deßhalb ist es am besten, in solchen Fällen von vorn herein nur Bleioxyd an der Stelle des doppelt-schwefelsauren Kalis anzuwenden.

CXXII. Ueber die Erzeugung von Kalisalpeter aus Natronsalpeter, zugleich ein Beitrag zur Baryt-Industrie; von Professor P. Bolley.

Aus der schweizerischen polytechnischen Zeitschrift, 1859, Bd. IV S. 149.

Wir wollen uns nicht lange an den bisher vorgeschlagenen Methoden zur Umwandlung des Chilisalpeters in Kalisalpeter aufhalten, vielmehr dieselben nur namhaft machen und kurz ihre Mängel bezeichnen. Die hervorragendsten dieser Vorschläge sind:

1) Es wird der Natronsalpeter mit Chlorkalium zerlegt. Longchamp 72) und später Anthon 73) empfahlen dieses Verfahren. Dasselbe wird schon lange von Rohsalpetersiedern angewendet, hauptsächlich um die ansehnlichen Mengen von Chlorkalium zu verwerthen, die sich in der Mutterlauge nach dem „Brechen“ der Salpetererdlauge bilden und beim Abdampfen theils auskrystallisiren, theils in der Mutterlauge bleiben und beim nachträglichen Weiterverarbeiten der letztern sich abscheiden.

Für diesen Zweck ist dasselbe ganz geeignet; man findet deßwegen auch z.B. bei den den Sennhütten und Stallungen nachziehenden Salpetersiedern in der Regel etwas Natronsalpeter zur Vermehrung ihrer Ausbeute. In die Salpeter-Industrie im Großen wird aber der Vorschlag wohl kaum jemals eingehen, und zwar hauptsächlich aus dem Grunde, weil das Chlorkalium sich nicht in hinreichend großer Masse und

72)

Polytechn. Journal Bd. CXVII S. 453.

73)

Polytechn. Journal Bd. CXLIX S. 39.