Text-Bild-Ansicht Band 157

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wird. Aber alle diese Verfahrungsarten ließen viel zu wünschen übrig, denn es kam darnach die Versilberung des Glases zu hoch zu stehen und sie konnte überdieß nicht mit Sicherheit bewerkstelligt werden.31)

Das Verfahren von Brossette und Comp. wird folgendermaßen ausgeführt:

Die Oberfläche der zu versilbernden Glastafel wird zuerst mit in Wasser zertheiltem Spanischweiß gereinigt; hernach reibt man sie mit Zinnasche, welcher salpetersaures Silberoxyd-Ammoniak zugesetzt wurde, also dasselbe Salz, welches zur Versilberung bei den nachfolgenden Operationen dient.

Bevor man zur Versilberung schreitet, wird das Spiegelglas, auf Bocke gelegt, mittelst einer mit destillirtem Wasser getränkten Kautschukwalze gewaschen. Dann legt man es ganz horizontal auf eine gußeiserne Tafel, die mit Wachstuch überzogen ist und den oberen Theil eines länglichviereckigen Kastens bildet, welcher mit Wasser gefüllt ist, dessen Temperatur man mittelst Dampf, der in hindurchgehenden Metallröhren circulirt, bis ungefähr 60° C. erhöht. Auf die so angeordnete Glastafel gießt man eine Schicht Silberlösung, bestehend aus 500 Grammen destillirtem Wasser, 100 Grm. salpetersaurem Silber und 60 Grm. Aetzammoniak von 0,87 bis 0,88 spec. Gewicht, welche nach dem Filtriren tropfenweise mit 7 1/2 Grm. Weinsteinsäure, in 30 Grm. destillirten Wassers aufgelöst, versetzt worden ist. Diese Flüssigkeit (Lösung Nr. 1) wird durch bloße Kapillarität auf der Oberfläche des Glases zurückgehalten; man läßt sie auf derselben 15 Minuten, indem man dafür sorgt, daß alle zu versilbernden Theile gut benetzt werden; nach Verlauf dieser Zeit wird der Spiegel geneigt, um die Flüssigkeit, in welcher eine große Menge nicht haftend gebliebenen Silbers schwimmt, in Rinnen ablaufen zu lassen, welche an den Rändern der gußeisernen Tafel angebracht sind; man wascht hernach die Glastafel, und nachdem man sie wieder in die frühere Lage gebracht hat, schreitet man zum Aufgießen einer zweiten Schicht Versilberungsflüssigkeit (Lösung Nr. 2), welche sich von der ersten nur dadurch unterscheidet, daß sie die doppelte Menge Weinsteinsäure enthält; diese muß man 25 Minuten auf der Glastafel verweilen lassen, wornach der Spiegel mit destillirtem Wasser

31)

Ein brauchbares Verfahren zum Versilbern des Glases wurde zuerst von Prof. v. Liebig im April 1856 veröffentlicht (polytechn. Journal Bd. CXL. S. 199), bevor die Methode von Petitjean bekannt geworden war. Seitdem hat Liebig ein neues, noch nicht veröffentlichtes Verfahren zur Glasversilberung entdeckt, welches wesentliche Vorzüge vor dem Petitjean'schen besitzt, auch bereits in die industrielle Praxis übergegangen ist, worüber wir auf den nachfolgenden Aussatz verweisen. A. d. Red.