Text-Bild-Ansicht Band 157

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(welches der Heizkasten der Belegtafel liefert) gewaschen und dann in einer sehr schiefen Lage getrocknet wird; man überzieht ihn endlich mit einem Firniß von Leinöl und Mennig, welcher rasch trocknet. Die erste Versilberungsflüssigkeit welche aufgetragen wurde, hat schon eine vollkommen spiegelnde Fläche erzeugt, welche aber, obgleich sie stark anhaftet, nicht fest genug wäre, um ohne Gefahr den schützenden Menniganstrich darauf anbringen zu können; wenn man einen solchen Spiegel zwischen das Auge und das Licht hält, zeigt sich auch wirklich seine Belegung an zahlreichen Stellen nicht zusammenhängend, ein Fehler, welcher durch die zweite Silberablagerung verschwindet. Nach meinen Versuchen enthält die erste abgelagerte Silberschicht beiläufig 12 Gramme dieses Metalls per Quadratmeter, und die beiden Schichten zusammen repräsentiren 29 Gramme Silber.32) Es wäre vielleicht vortheilhaft, die silberhaltigen Flüssigkeiten länger als 15 und 25 Minuten mit dem Glase in Berührung zu lassen, da die Erfahrung gezeigt hat, daß sie eine Stunde nach dem Abgießen noch versilbern, und erst nach einigen Stunden aufhören Silber abzusetzen, obgleich sie auch dann noch Silber aufgelöst enthalten; so fand ich bei einem Versuche, daß eine mit 5 Grm. salpetersaurem Silber bereitete Flüssigkeit (Lösung Nr. 1), welche eine schöne Versilberung hervorgebracht hatte, nach mehreren Tagen und folglich lange nachdem sie das Glas nicht mehr zu versilbern vermochte, 1,45 Grm. Silber aufgelöst enthielt, also über die Hälfte des Silbers, welches in den angewandten 5 Grm. salpetersauren Salzes enthalten war.

Das Verfahren von Brossette und Comp. gibt sowohl auf ebenem als sphärischem Spiegelglase genügende Resultate und die Gestehungskosten überschreiten diejenigen der gewöhnlichen Belegung nicht; die Silberschicht kann natürlich durch den Einfluß von Licht und Feuchtigkeit nicht benachtheiligt werden; wohl aber veranlassen Schwefelwasserstoff enthaltende Dämpfe, besonders unter dem Einfluß der Feuchtigkeit, nach einiger Zeit eine Veränderung der Silberschicht, wogegen sie durch den Mennigüberzug nicht hinreichend geschützt wird.

32)

Während nach Levol's Ermittelungen bei dem beschriebenen Verfahren die Silbermenge zur Versilberung von 1 Quadratmeter Glas 29 Gramme beträgt, kostet nach Liebig's neuem Verfahren die Versilberung, Verkupferung und das Firnissen von 1 Quadratmeter Judenmaaßspiegels 57 1/4 kr.; da nun der Franken 4 1/2. Gramme Feinsilber enthält und 28 kr. kostet, so machen alle Kosten (Silber, Kupfer, Arbeit etc.) zusammen den Werth von etwa 9 Grammen Silber aus; dieß ist zu Gunsten des Liebig'schen Verfahrens ein ganz außerordentlicher Unterschied. A. d. Red.