Text-Bild-Ansicht Band 134

Bild:
<< vorherige Seite

Ueberfluß an Säure, weil bei minder günstigen Jahrgängen diese Säure fast in demselben Maaße vorhanden bleibt, als der Zucker in der Traube fehlt. Findet nun auch durch den Zusatz von Zucker später eine vermehrte Absonderung des in dem Traubensafte enthaltenen sauren Weinsteinsalzes statt, so enthalten doch die nicht völlig gereiften Trauben neben der Weinsäure auch noch andere Säuren, die dadurch nicht zu entfernen sind und deßhalb bei dem bloßen Zuckerzusatze dennoch den Geschmack des Weins beeinträchtigen. Es sind dieß fast dieselben Säuren und Stoffe, welche in den Johannisbeeren in noch größerer Menge gefunden werden. Diese Säuren, ohne Beeinträchtigung der Güte des Weins zu vermindern oder unschädlich zu machen, blieb bisher noch zu wünschen übrig. Hiezu hat nun Gall die geeignetsten Vorschläge gemacht und diesen auch durch eine unermüdliche Thätigkeit bereits eine weit verbreitete Anwendung verschafft.

Es ist nichts Neues, daß man selbst aus den sauren Johannisbeeren einen vortrefflichen Wein gewinnen kann, wenn man dem Safte derselben zur Verdünnung der vielen Säure, neben Zucker eine größere Menge Wasser zusetzt. Unseren Hausfrauen, die eine kleine Mühe nicht scheuen, ist es daher wohl bekannt, daß man durch diesen größeren Wasserzusatz ein nicht so theures Getränk erhält, was dennoch so vortrefflich ist, daß sie es in der Regel zum Empfang eines lieben Gastes aufsparen.

In den nördlichen Ländern, wo die Traube keinen Wein mehr liefert, bereitet man aus den Johannisbeeren und namentlich aus den Stachelbeeren durch den einfachen Zusatz von Zucker und Wasser mit Beimischung von getrockneten Weinbeeren der südlichen Länder die besten Liqueurweine. Zu Althaldensleben bei Magdeburg fand ich im Jahr 1832 ganze Berge mit Stachelbeeren bepflanzt, von welchen der bekannte Nathusius alle möglichen südlichen Weine darstellen ließ.22)

Diese Erfahrungen hat Dr. Gall benutzt, um aus solchen Trauben, welche ihre völlige Reife nicht erlangten und deßhalb noch viel Säure und nur wenig Zucker enthalten, noch gute Mittelweine zu erzeugen, welche, wie viele glaubwürdige Zeugnisse bestätigen, dadurch zu mehr als dem doppelten Preis zu verwerthen waren. Gall hat sein Verfahren in

22)

Wäre nicht die Erzeugung des einheimischen Zuckers mit einer so enormen Steuer belastet, die nördlichen Länder würden durch die Säure ihrer Beerenfrüchte und durch den Zucker aus ihren Rüben und Kartoffeln Getränke erzeugen können, die manche Vorzüge besitzen, welche in den südlichen Ländern nicht zu erreichen stehen. Das so beliebte Bouquet und das Erfrischende des Weins verdanken unsere. Weine nur der Säure, die dem Weine der südlichen Länder fehlt.