Text-Bild-Ansicht Band 134

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einer eigenen Schrift23) schon 1851 bekannt gemacht und seitdem sind eine Menge anderer Schriften und Aufsätze über diesen Gegenstand erschienen. Obgleich die intelligentesten Männer unter den Chemikern und Weinproducenten die Zweckmäßigkeit der von Gall empfohlenen Weinverbesserung anerkannt haben, so sind auch Gegner aufgetreten, die das Gall'sche Verfahren als eine Weinschmiererei bezeichnen, und ebenso sehr als die Einen die Sache als das Rettungsmittel für die Weincultur solcher Gegenden bezeichnen, wo die Natur den Zucker oft nicht in hinreichender Menge in der Traube erzeugt, ebenso sehr wird die Sache von Andern als der Ruin alles Renommée's der unverfälschten natürlichen Weinerzeugung dargestellt.

Wenn die Wärme und Heftigkeit, womit die Vertheidiger und Gegner die Sache behandeln, auch für die Wichtigkeit derselben spricht, so wird man bei der Verfolgung des Streits doch von den breit gedrückten Anpreisungen und ewigen Wiederholungen nicht minder angeekelt, als von den sinnlosen Entgegnungen. Sicher schaden die von den Vertheidigern der Sacke gemachten Versprechungen einer localen Abhülfe aller Noth der armen Weinbauern mehr, als sie nützen, denn sie tragen zu sehr das Gepräge der Uebertreibung, obgleich der Gegenstand alle Beachtung auch aus dieser Rücksicht verdient. Wer wird es glauben, daß, wenn auch in vielen Fällen durch die Gall'sche Weinverbesserung mehr als der doppelte Preis für dasselbe Gewächs gelöst wurde, nach einer allgemeineren Einführung gleiche Vortheile zu erlangen wären? Wenn auch alle Weinconsumenten befähigt sind, einen besseren Wein zu trinken, so steigt mit dieser Befähigung nicht die des besseren Bezahlens. Ebenso thöricht erscheint die Hoffnung, durch die Production eines besseren Weins dem immer allgemeineren Biertrinken entgegentreten zu können und dadurch wieder billigere Brodpreise für den Armen zu erlangen. Das Bier ist und bleibt ein billigeres Getränk, als der Wein, und wird deßhalb von diesem nicht wieder verdrängt werden. Wenn seine Konsumtion immer mehr zunimmt, so ist dieß eine Folge davon, daß die Bierbrauer nicht bei dem Althergebrachten stehen geblieben sind und dadurch ein besseres Product um billigern Preis herstellen können, als früher. Auch der bessere Wein wird einen größeren Markt finden, denn es gibt noch viele Gegenden, wo man unsere Weine kaum dem Namen nach kennt und wo sie

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Ueber Darstellung sehr guter Mittelweine, selbst aus unreifen Trauben, und höchste Veredlung schon vergohrener geringer Weine durch nochmalige Gährung allenthalben und zu jeder Jahreszeit. Von Dr. Ludwig Gall. 1. und 2. Heft. Trier, 1851 und 1852. Verlag von F. A. Gall.