Text-Bild-Ansicht Band 134

Bild:
<< vorherige Seite

150 Pfund Zucker in 100 Maaß oder 400 Pfund Wasser zuzusetzen. Man wird dann von 1 1/2 Eimern Most durch diesen Zusatz reichlich 2 1/4 Eimer guten Weinmost bekommen, dessen Gewicht in der Regel dann auch dem eines guten Mostes gleichkommt. Ein wenig Zucker mehr oder weniger, wird auch wenig Unterschied machen.

So gut wir ohne solche Zusätze den Most nach seinem durch die Waage zu erkennenden specifischen Gewichte, nach seinem Geschmacke, nach der Art der Trauben etc. zu beurtheilen im Stande sind, ebenso sichere Merkmale gewahren diese Proben auch für die Beurtheilung eines mit Zucker und Wasser vermischten Weins oder Mostes. Wünscht man jedoch eine genauere Bestimmung des nöthigen Zuckers und Wassers, so wird eine nähere Untersuchung des Mostes auf seinen Zucker- und Säuregehalt nach der von Prof. Fehling im Jahre 1850 (polytechn. Journal Bd. CXVII S. 276) angegebenen Methode zu empfehlen seyn, da die von Gall angegebene Untersuchung des Zuckergehalts durch Gährung, bei einer kleinen Probe des Mostes, in der Hand eines mit solchen Untersuchungen nicht Geübten viel unsicherere Resultate liefert, als die oben angegebene einfache Prüfung. Nicht minder unzuverlässig wird auch unter gleichen Umständen die Untersuchung des Mostes auf seinen Säuregehalt, so einfach und sicher dieselbe auch von jedem Apotheker auszuführen ist.

Eine weitere Frage ist die, woher der Traubenzucker zu beziehen sey und wie sich die Kosten einer solchen Weinverbesserung berechnen? Bis jetzt haben wir keine Trauben- oder Stärkezuckerfabriken im Lande, deren in der Pfalz und am Rhein seit Einführung dieser neuen Weinverbesserung eine Menge neu gegründet wurden. Unsere Rübenzuckerfabriken besitzen aber alle dazu nöthigen Apparate, und die kleine Zuckerfabrik der technischen Werkstätte in Hohenheim könnte täglich allein 10–12 Centner Traubenzucker liefern, sobald nur eine Nachfrage oder ein Verbrauch desselben stattfinden sollte. Bei der Aussicht, die Kartoffeln in diesem Herbste um den Preis von etwa 30 kr. kaufen zu können, wäre es möglich, den Centner von diesem Zucker um 12–14 fl. zu gewinnen, so daß die Darstellung von mehr als zwei Eimern jenes verbesserten Weins aus 1 1/2 Eimern Most und 1 1/2 Centnern Zucker, im Fall der dazu zu verwendende geringere Wein mit 40 fl. per Eimer zu bezahlen wäre, auf circa 80 fl. kommen würde, wofür man später leicht das Doppelte lösen könnte.

Es steht dieß nach den bereits gemachten Erfahrungen um so weniger zu bezweifeln, als der so behandelte Wein wirklich ganz entschiedene Vorzüge besitzt. Unter diesen sind vor Allem die Reinheit seines Geschmacks und seine größere Haltbarkeit hervorzuheben. Sein Geschmack ist nicht nur durch die Verminderung der Säure angenehmer und