Text-Bild-Ansicht Band 134

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wurden sie untersucht, und da ihre Qualität sie verkäuflich zeigte, so fanden die drei geringeren Sorten sogleich eine Verwerthung, während die bessere aus dem Kruge, worin sie sich befand, auf Flaschen gezogen wurde. Bei der Abgabe jenes geringeren Weins blieb nun ein kleiner Rest, der von der Hefe getrübt war, in einer Flasche zurück, die seit jener Zeit im technischen Laboratorium, wo Winters geheizt wird, steht, ohne bis jetzt eine Kahnhaut zu zeigen, was doch wohl den sichersten Beweis von der unzerstörbaren Haltbarkeit eines solchen Weins liefert.

Welch einen Werth solche Zusätze von schleimfreiem Zucker für alle unsere geistigen Getränke haben, davon zeugt auch die Haltbarkeit, welche man dem Biere durch den Zusatz von Syrup oder durch die Verwendung von Kartoffeln, aus dessen Stärkmehl durch den Maischproceß Zucker zu erzeugen ist, ertheilen kann. Im letzten Winter wurden in der hiesigen Bierbrauerei aus Veranlassung der Verdächtigung mehrerer Bierbrauer, solche Zusätze zur Umgehung der Steuer verwendet zu haben, Proben mit der Verwendung von Syrup angestellt. Diese lieferten die Ueberzeugung, daß ein geringer Zusatz von Syrup dem Viere nicht nur neben einer schönen Farbe einen erhöhten Glanz, sondern namentlich auch eine weit größere Haltbarkeit verleiht. Es wurde aus dem sonst nur zur Gewinnung von etwas Branntwein brauchbaren Glattwasser durch den Zusatz von Syrup noch ein gutes Nachbier gewonnen, das bei einem Gehalte von kaum 2/3 (8 Procent) eines besseren Biers, in einem schlechten Keller (der im Mai schon 8–9 Grad R. Wärme zeigte) ganz gesund blieb und durch die erwähnten Vorzüge eine schnelle und lohnende Verwerthung fand.

Sobald nur das Material zur Gewinnung solcher, für unsere geistigen Getränke geeigneten Zusätze preiswürdig zu haben ist, sollten dieselben eine weit allgemeinere Anwendung finden. So könnte man z.B. in diesem Jahre aus den Weintrebern, bei dem Mangel an Obst, einen billigen Trunk für unsere Arbeiter gewinnen. Zur Bereitung eines solchen Treber- oder Nachweins sind die Kämme und Beeren unmittelbar nach dem Keltern in einer Stande mit etwas erwärmtem Wasser zu übergießen, worin man gleich etwas Zucker oder Syrup lösen kann. Man darf die Treber aber nicht zuvor auf Haufen an der Luft trocknen lassen, damit sie sich nicht erwärmen, was eine schnelle Säuerung herbeiführt. Die Menge des zuzusetzenden Wassers darf Anfangs auch nicht zu groß seyn, weil die Währung dadurch unterdrückt werden würde. Im Ganzen kann man je nach der gewünschten Güte des Weins den sechsten bis vierten Theil von dem Weinmoste, den die Trauben lieferten, an Wasser verwenden. Die Menge des nöthigen Zuckers, statt dessen man auch guten Syrup verwenden