Text-Bild-Ansicht Band 134

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zu verleihen hoffe, damit sie auch bei starken Biegungen, die das Seil, den Uebenheiten des Meeresbodens folgend, etwa annehmen muß, nicht gesprengt werden könnten. Unser Probestück des Seiles ist zu kurz, um die Richtigkeit dieser Angabe zu constatiren; ob die angedeutete Construction dem beabsichtigten Zwecke entsprechen würde, mag hier unerörtert bleiben.

Das Seil wurde in der Fabrik in einem zusammenhängenden Ende von der Länge wie es für die beiden ersten unterseeischen Strecken von Spezzia nach Corsika und durch die Meerenge von St. Bonifacio, zusammengenommen nöthig war, angefertigt, so daß es an Ort und Stelle nur ins Meer gesenkt zu werden brauchte. Diese Länge betrug nicht weniger als 110 englische Meilen; die Entfernung zwischen Spezzia und der Nordspitze von Corsika mißt in gerader Linie nach früheren Nachrichten, die mit den besten Karten in Einklang stehen, etwa 80 englische Meilen, die Breite der Straße von St. Bonifacio etwa 8 Meilen, beide Strecken zusammen also in runder Zahl beiläufig 90 englische Meilen; durch frühere Erfahrungen belehrt, hat indeß Hr. Brett weitere 20 Meilen auf die hier nicht unbeträchtliche Tiefe des Meeres, auf die durch Unebenheiten des Meeresbodens bedingten Krümmungen des Leitungstaues, und auf die durch die Beschaffenheit des Meeresbodens in solchen Fällen stets mehrfach gebotenen Abweichungen von der geraden Richtung gerechnet. Es ist dieß das längste Leitungstau für untermeerische Telegraphenleitungen, welches bis jetzt ausgeführt worden; und auch hinsichtlich seines Durchmessers, der Stärke der umhüllenden Eisendrähte und hinsichtlich seines Gewichtes übertrifft es die ähnlichen früheren Leitungen; sein Gesammtgewicht betrug gegen 800 Tonnen (= 15,791 preuß. Centner = 16,248 Zoll Centner); von dem enormen Volumen dieses Taues wird man eine Anschauung gewinnen aus der von technischen Zeitschriften mitgetheilten Notiz, daß es auf dem Hofe der Fabrik, in gewöhnlicher Weise zusammengelegt, einen Ring bildete, dessen äußerer Durchmesser 75 englische Fuß. dessen Breite 24 Fuß und dessen Höhe 5 Fuß betrug.

Das englische Schraubendampfschiff the Persian war bestimmt, das Leitungstau nach Spezzia zu bringen und an gehöriger Stelle auf den Meeresboden nieder zu legen. Das Einladen und Verpacken des Taues in den Schiffsraum nahm mehrere Wochen in Anspruch. In der letzten Woche des Juni endlich konnte das Schiff in See gehen. Am 19. Juli langte es mit seiner Ladung glücklich in Genua an, und es wurden nun sofort unter lebhaftester Theilnahme und Beihülfe der sardinischeu Regierung die Vorbereitungen zur Einsenkung des Taues getroffen. Am 20. Juli Abends begab sich der „Persian“ nach Spezzia, begleitet von der sardinischen Dampffregatte „Constitution“ an deren Bord sich der Prinz v. Carignan, der Kriegsminister, der Minister der öffentlichen Arbeiten, die Gesandten Englands und Frankreichs und mehrere Notabilitäten des Parlaments, der Armee und der Verwaltung befanden, die dem Beginn der Einsenkung des Drahtes beiwohnen wollten. Gegen 4 Uhr des folgenden Morgens trafen beide Schiffe im Golfe von Spezzia ein, wo sich ihnen die königl. sardinischen Kriegsdampfschiffe Malfatano und Tripoli anschlossen, welche hei dem Unternehmen mitwirken sollten. Um 6 Uhr wurde mit der Operation begonnen. Man hatte ein kleines am Eingange des Golfes, an dessen östlicher Seite und nahe bei der Mündung des Flusses Magra gelegenes Fort, die batteria Santa Croce genannt, zum Ausgangspunkte der Linie ausersehen. Hier wurde zunächst das Ende des Taues vom „Persian“ etwa 100 Meter weit aufs Land gebracht; dieß nahm über 3 Stunden in Anspruch. Nachdem darauf die Enden der Leitungsdrahte in die Station Santa Croce eingeführt worden, feuerte der Prinz v. Carignan von hier aus, um 10 Uhr, mittelst des galvanischen Stromes durch das ganze, 110 engl. Meilen lange, im Schiffsraume des „Persian“ liegende Leitungstau hindurch eine der Kanonen dieses Schiffes ab; der Schuß erfolgte augenblicklich unter lautem Jubel der Anwesenden und war das Signal zum Beginne der eigentlichen Einsenkung des Leitungstaues. Der „Persian“ setzte sich sogleich in Bewegung, das langsam sich abwickelnde Tau hinter sich in die Tiefe des Meeres gleiten lassend, und steuerte in der Richtung auf Corsika hin, während die königlichen Kriegsdampfer als Eclaireure vorausgingen. Das Wetter war, sowie auch an den nächstfolgenden Tagen, der Operation ungemein günstig; es war fast windstill, die See war vollkommen ruhig. Hr. Brett hatte gehofft die Legung des Taues in etwa 1 1/2 Tagen zu bewirken, es traten indeß mancherlei Störungen und Hindernisse ein, welche die Ausführung verzögerten.