Text-Bild-Ansicht Band 133

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Plateau, welches wie ausdrücklich dazu geschaffen erscheint, die Drähte eines unterseeischen Telegraphen zu tragen und dieselben außer dem Bereiche von Beschädigungen zu halten. Es liegt weder zu tief noch zu seicht; doch ist es so tief, daß die Drähte, wenn sie einmal eingesenkt sind, für immer aus dem Bereiche von Schiffsankern, Eisbergen und Reibungen aller Art seyn werden; andererseits ist es seicht genug, um die Drähte leicht auf den Meeresboden niederlegen zu können. Die Tiefe dieses Plateau ist ganz regelmäßig; sie wächst von den Küsten Neufundlands an gegen die andere Küste hin von 1500 bis 2000 Faden (9000 bis 12,000 engl. Fuß).

Die Entfernung zwischen Irland und Cap St. Charles oder Cap St. Lewis auf Labrador ist etwas geringer als die Entfernung von irgend einem Punkte Irlands nach dem nächsten Punkte auf Neufundland. Ob es aber besser ist, die Drähte von Neufundland oder von Labrador aus zu führen, soll hier nicht untersucht werden, noch habe ich die Absicht, hier zu erörtern, ob es möglich seyn werde eine Zeit zu finden, welche windstill genug und in welcher die See ruhig genug für eine solche Arbeit ist, ob es möglich ist einen so langen Draht herzustellen, und ein Schiff zu finden, groß genug, um ein Drahtseil von 1600 Meilen Länge aufzunehmen und einzusenken; wiewohl ich nicht zweifle, daß der Unternehmungsgeist und der Scharfsinn unserer Zeit, sobald er sich mit diesen Aufgaben zu beschäftigen haben wird, eine ausführbare und befriedigende Lösung derselben finden wird. Ich befasse mich hier mit der Frage nur so weit, als sie den Boden des Meeres betrifft, und in dieser Hinsicht werden sich meines Erachtens die größten praktischen Schwierigkeiten erst dann finden, wenn man an beiden Enden der Leitung seichtes Wasser erreicht, nicht aber in der tiefen See.

Ich lege hierbei eine Karte vor, welche das Tiefenprofil des atlantischen Oceans darstellt, gemäß Tiefenmessungen, welche von Zeit zu Zeit an Bord von Schiffen der Staats-Marine in Folge der vom Chef des Bureau of Ordnance and Hydrography ertheilten Instructionen ausgeführt worden sind. Diese Karte ist das 14te Blatt in der 6ten Ausgabe von Maury's Sailing Directions.“ Man wird aus derselben ersehen, daß wir durch jene einfache Mittel eine ziemlich gute Vorstellung von der Gestaltung des Theiles der Erdrinde gewonnen haben, welcher unter dem atlantischen Ocean liegt, und dessen Boden bildet.

Ein Draht, welchen man zwischen den genannten Punkten einsenkt, würde nördlich von der großen Bank von Neufundland vorbeigehen, und auf dem erwähnten schönen Plateau liegen, in dessen unmittelbarer Nähe die Gewässer des Meeres so still und so vollkommen ruhig zu seyn scheinen, wie am Boden eines Mühlteiches.

Es scheint angemessen, die Gründe für die Annahme auseinanderzusetzen, daß am Seeboden auf diesem „Telegraphen-Plateau“ keine merkbaren Strömungen und keine abreibenden Kräfte in Thätigkeit sind. Ich ziehe diesen Schluß aus einer physikalischen Thatsache von der. als ich sie erforschte, ich wenig ahnte, daß sie eine solche Tragweite haben würde. Es ist überflüssig, bei dieser Gelegenheit darauf hinzudeuten, welche wichtige Keime oft sogar in den anscheinend unerheblichsten physikalischen Thatsachen ruhen.

Lieutenant Berryman hatte nämlich mittelst Brock's Tiefsee-Sonde Proben von dem Seeboden auf diesem Plateau gewonnen, die ich Hrn. Prof. Bailey von West-Point zur mikroskopischen Untersuchung übersandte. Dieser ausgezeichnete Naturforscher kam meinem Wunsche bereitwilligst nach, und fand zu seinem großen Erstaunen, so wie auch zu dem meinen, als ich das Ergebniß erfuhr, daß alle diese aus der tiefen See herausgezogenen Boden-Proben erfüllt sind mit mikroskopischen Muschelschalen; nach seinen eigenen Worten „fand sich in denselben nicht ein Körnchen Sand oder Kies17)

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Prof. Bailey hat seitdem das Ergebniß dieser mikroskopischen Untersuchung selbst bekannt gemacht unter dem Titel: Examination of some Deep Soundings from the Atlantic Ocean; by J. W. Bailey, (Silliman's Journ. XVII. No. 50. p. 176). Es waren ihm 6 Proben des Seebodens zur Untersuchung übergeben worden, von denen 5 aus größeren Tiefen, nämlich: