Text-Bild-Ansicht Band 133

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17).“

Diese Muschelschälchen thun demnach dar, daß an dem Seeboden von wo sie heraufgezogen worden, keine Strömungen vorhanden sind und daß Brock's Sonde sie da fand, wo sie, nachdem sie an der Oberfläche der See gelebt hatten und bei ihrem Absterben allmählich niedergesunken waren, zur Ruhe gelangten. Wären Ströme am Seeboden vorhanden gewesen, so würden dieselben Trümmer des Seebodens, wie Schlick (oaze), Sand und Kies und andere Stoffe abgerieben und fortgeführt und mit jenen mikroskopischen Resten vermengt haben; es fand sich aber nicht ein Körnchen Sand oder Kies zwischen denselben. Dieß führt auf den Schluß, daß die See in diesen Tiefen weder durch Wellen noch durch Strömungen bewegt wird.

Es würde also daselbst ein Telegraphendraht, sobald er einmal eingesenkt ist, ebenso vollständig außer dem Bereiche von Unfällen seyn, wie wenn er in luftdichten Kapseln eingegraben wäre. Demnach ist, so weit die Beschaffenheit des Bodens der tiefen See zwischen Neufundland oder dem North-Cap an der Mündung des St. Lorenz-Stromes und Irland dabei in Betracht kommt, die Ausführbarkeit einer unterseeischen Telegraphen-Leitung quer durch den atlantischen Ocean nachgewiesen.

Die gegenwärtigen Verhältnisse Europa's verleihen der Anlegung einer Telegraphenleitung durch den atlantischen Ocean ein hohes Interesse für die Regierung und das Volk der Vereinigten Staaten. Ein allgemeiner europäischer Krieg scheint jetzt fast unausbleiblich; die Haltung, welche unser Staat in Bezug auf alle betheiligten kriegführenden Mächte einnehmen wird, ist die einer strengen und unparteiischen Neutralität. Um die Regierung besser in den Stand zu setzen jene Haltung zu behaupten, und um dem Volke der Vereinigten Staaten möglich zu machen, alle Vortheile einer solchen Stellung zu benutzen, würde eine telegraphische Verbindung mit Europa von unberechenbarem Nutzen seyn.

Dieser Ansicht von der Sachlage gemäß, und um die Ausführung einer solchen Linie zu beschleunigen, nehme ich mir die Freiheit Ihrer Erwägung zu empfehlen, ob es nicht angemessen wäre, von Seiten der geeigneten Behörde einen Preis auszusetzen für die Telegraphen-Compagnie, deren Telegraphendraht die erste Depesche quer durch den atlantischen Ocean befördern wird.

Ich habe die Ehre etc. etc.

M. F. Maury,
Lieutenant der Vereinigten Staaten-Marine.

17)
1) unter 42° 4' nördl. Breite und 29° 0' westl. Länge aus 1080 Faden Tiefe
2) 44° 41' 24° 35' 1360
3) 49° 56' 30'' 13° 13' 45'' 1580
4) 47° 38' 9° 8' 1800
5) 54° 17' 22° 33' 2000

und eine sechste aus seichtem Gewässer in der Nähe von Neufundland, nämlich: unter 42° 53' 30'' nördl. Breite und 50° 5' 45'' westl. Länge aus 175 Faden Tiefe gefördert worden. Er fand, wie im Texte angegeben, daß diese Bodenproben fast ausschließlich kalkige Schalen mikroskopischer Muscheln aus der Familie der Foraminiferen (Polithalamien nach Ehrenberg), namentlich von der Species Globigerina, enthielten, vermischt mit einem feinen, aus Trümmern solcher Schalen bestehenden Kalkmehle ohne ein Körnchen Sand oder Kies. Er fand aber ferner, abweichend von Maury's obiger Angabe, daß jene Thierchen, deren Schalen den Seeboden bilden, weder in den an den Lothungsstellen in verschiedenen Tiefen geschöpften und ihm zur Untersuchung übergebenen Seewasserproben, noch in den seichten Gewässern an der Küste von Neufundland lebend vorkommen, und läßt es dahingestellt, ob dieselben in so großer Tiefe leben, oder ob ihre Schalen, wie Wohl wahrscheinlicher, durch Meeresströmungen, etwa den Golfstrom, von weit her herbeigeführt und daselbst abgelagert seyen. Hrn. Maury's Schlußfolgerung selbst wird übrigens hierdurch nicht wesentlich modificirt: der Umstand, daß diese leichten Theilchen sich ablagern konnten, würde beweisen, daß das Wasser unmittelbar über dem Meeresboden ungewöhnlich ruhig ist.