Text-Bild-Ansicht Band 158

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Wothly in Aachen (Preußen) ermittelten Verfahrens um auf Collodium erhaltene Bilder beim Sonnenlicht oder beim elektrischen Licht zu vergrößern. Derselbe sagt in dem Begleitschreiben:

„Ich bin zu unerwarteten Resultaten gelangt mittelst Verfahrungsarten, welche in ihrer Verbindung fast eine neue Kunst bilden. Eine dem Heliostat analoge optische Anordnung gibt mir einen großen Bündel von genau parallelen Strahlen, welcher durch das, auf einer mit Collodium überzogenen Halbplatte erhaltene Negativ geht, das positiv gewordene Bild mit sich nimmt, und sich zu einem ungeheuren Kegel von divergirenden Strahlen ausspannt, die das Bild auf einem empfindlich gemachten Blatt Maschinenpapier fixiren. Die Intensität dieser Strahlen ist groß genug, daß das Positiv, wenn man beim Sonnenlicht operirt, in fünfzehn bis zwanzig Minuten fertig wird; ihre Vertheilung ist so regelmäßig, daß der Abdruck an den äußersten Rändern ebenso scharf wie in der Mitte ist, selbst wenn das Bild 2,6 Met. (8 Fuß) Höhe und 1,5 Met. (4 Fuß 7 Zoll) Breite hat. Um die Exposition auf eine so kurze Zeit zu beschränken, mußte ich neue Combinationen von empfindlich machenden Agentien anwenden. Um die Operationen des Waschens, der Schönung des Tones und des Fixirens mit so schwer zu handhabenden Blättern auszuführen, konnte ich die Cuvetten nicht anwenden, sondern mußte zu eben so rasch ausführbaren als wirksamen Kunstgriffen meine Zuflucht nehmen. Meine Porträte in halber und ganzer natürlicher Größe haben einen eigenthümlichen Charakter, in Folge dessen man sie mit großem Vergnügen betrachtet; sie ähneln mehr als die gewöhnlichen Photographien einer mit der größten Geschicklichkeit ausgeführten Kreidezeichnung, so harmonisch und verflossen sind die Tinten; ich bemerke noch, daß sie am Licht fast unveränderlich sind, weil mein Fixirverfahren sie gegen jede Schwefelung schützt.“ (Comptes rendus, October 1860, Nr. 15.)

Ueber die Temperatur des Wassers im Leidenfrost'schen Tropfen; von S. de Luca.

Boutigny gibt an, indem er sich auf directe Versuche stützt, daß die Temperatur der Flüssigkeiten in dem Leidenfrost'schen Tropfen, unabhängig von der Temperatur des Gefäßes, unveränderlich sey und immer niedriger liege als der Siedepunkt; für Wasser betrage sie 96,5° C. Ganz andere Resultate haben Laurent, Le Grand, Kramer, Belli, Peltier und Baudrimont erhalten. Diese Experimentatoren haben die Temperatur des Wassers im Leidenfrost'schen Tropfen vermittelst eines in das Wasser eingehaltenen Thermometers bestimmt, allein es ist nicht möglich, auf diese Weise übereinstimmende Resultate zu erhalten, well dabei Fehlerquellen vorhanden sind, die man nicht vollständig beseitigen kann.

Der Verf. hat bei seinen Versuchen farbige Körper angewendet, welche bei einer bestimmten Temperatur ihre Farbe verlieren. So bringt Jodstärkemehl eine blaue Färbung des Wassers hervor, die bei einer Temperatur von 50° matt zu werden anfängt und bei 80° gänzlich verschwindet. Wenn man nun eine solche blau gefärbte Flüssigkeit in einer stark erhitzten Platinschale dem Leidenfrost'schen Phänomen unterwirft, so entfärbt sich das Jodstärkemehl nicht und das Wasser behält seine Färbung bis zum Ende der Erscheinung. Hieraus geht deutlich hervor, daß die Temperatur des Wassers im Leidenfrost'schen Tropfen 80° nicht erreicht, und sogar, daß sie noch unter 50° liegen muß.

Man kann diesen Versuch auf verschiedene Art anstellen; er gelingt jedesmal, wenn man zuerst eine Lösung von Jodkalium (1000 Th. Wasser auf 1 Th. Jodkalium) dem Leidenfrost'schen Phänomen aussetzt und dann vermittelst zweier Pipetten gleichzeitig Chlor- oder Bromwasser und die Stärkelösung zusetzt. Das Jodkalium muß neutral seyn und die Chlor- oder Bromlösung frisch bereitet; auch dürfen letztere keine freien Säuren enthalten. Man kann den gefärbten Tropfen in ein Glasgefäß fallen lassen, ohne daß derselbe seine Farbe verliert; durch Einwirkung von Hitze kann man ihn entfärben, und wenn man ihn dann erkalten läßt, so nimmt er seine ursprünglich blaue Färbung wieder an und verliert dieselbe von Neuem, wenn er dem Leidenfrost'schen Phänomen nochmals unterworfen wird.