Text-Bild-Ansicht Band 168

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war, wurde das wasserfreie Oel, welches zur Untersuchung angewandt werden sollte, gegeben (circa 2 bis 3 Gramme), und nun ein Stückchen Kalium, welches reine, klare Schnittflächen hatte, von der Größe einer halben Linse zugefügt und alsdann einer Temperatur, welche den Siedepunkt des Oeles nicht überstieg, 10 bis 15 Minuten lang ausgesetzt. Besitzt das Oel einen Schwefelgehalt, so bedecken sich die Flächen des Kaliums mit einer rothen, auch braunrothen Substanz, die zum größten Theil aus Einfach-Schwefelkalium besteht; gleichzeitig nimmt man eine schwache Gasentwickelung wahr. Man gibt nun ein gleiches Volumen destillirtes Wasser in das Proberöhrchen, welches ohne alle Gefahr der Entzündung geschehen kann. Das Kalium oxydirt sich sofort auf Kosten des Sauerstoffs des Wassers und es entwickelt sich Wasserstoff; das Schwefelkalium wird von dem zugegebenen Wasser gelöst. Taucht man nun einen Glasstab in eine verdünnte Lösung von Nitroprussidnatrium und rührt mit demselben das Gemisch um, so entsteht, wenn das Oel schwefelhaltig war, sofort eine prächtige purpurblaue Färbung. Das meiste im Handel vorkommende reine Benzol hat stets einen Schwefelgehalt, der nach dieser Methode sehr leicht zu erkennen ist. Statt des Kaliums kann man auch Natrium verwenden. Ich habe vermittelst dieser Methode den Schwefelgehalt der meisten ätherischen Beleuchtungsmaterialien bestimmt und gefunden, daß nachfolgende bedeutend schwefelhaltig sind und sich nicht zu Beleuchtungsmaterialien eignen:

1) Das württembergische Schieferöl, aus Posidonienschiefer in Reutlingen dargestellt. – Das leichte Oel besitzt einen bedeutenden Schwefelgehalt und ist von Hrn. Dr. Carl Harbordt (Inauguraldissertation, Tübingen 1862) dieser Schwefelgehalt übersehen worden, daher die Formel, welche er diesem Oele gibt, keine Wahrscheinlichkeit hat.

2) Das leichte Schieferöl aus dem Blätterschiefer von A. Wiesmann und Comp. in Bonn.

3) Das Photogen von Weißenfels.

4) Das leichte Photogen von Bitterfeld, von Hübner dargestellt, und

5) und 6) die französischen Photogene von Autun und diejenigen aus den bituminösen Liasschiefern der Pyrenäen, dargestellt von Leborne.

Letzteres Oel besitzt einen so hohen Schwefelgehalt, daß es nicht zur Beleuchtung zu verwenden ist, indem binnen ganz kurzer Zeit der zu beleuchtende Raum mit schwefliger Säure erfüllt ist; auch wird sich dieß letztere Oel nie zur Firnißfabrication eignen, da es stets einen unangenehmen,