Text-Bild-Ansicht Band 168

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gehörten auch die Dampffeuerspritzen, und waren Sachverständige und sonst Betheiligte in der Regel eifrig mit dem Studium derjenigen Exemplare beschäftigt, welche die Ausstellung aufzuweisen hatte.

Leider nur wurde man nicht in dem Maaße befriedigt, wie von vielen Seiten erwartet worden war, namentlich wenn man das in Betracht zog was englische und besonders nordamerikanische Blätter vorher über Dampfspritzen veröffentlicht hatten.

Wie überhaupt der unglückselige amerikanische Bürgerkrieg Seitens der Nordamerikaner eine höchst geringe Betheiligung an der diesmaligen Welt-Industrieausstellung zur Folge gehabt hatte, so fand sich aus diesem Lande auch nur eine einzige beachtenswerthe und zwar kleine Dampffeuerspritze99) vor, welche Lee und Larned in New-York (Nr. 31, Classe VIII) eingesandt hatten. Material und Ausführung dieser Spritze war ausgezeichnet zu nennen, minder die Construction, am allerwenigsten aber konnte man die Anwendung einer Centrifugal-Wasserpumpe gut heißen, die man nicht einmal nach rationellen Grundsätzen construirt hatte. Leider war der Aussteller nicht zu bewegen eine Probe mit seiner Spritze vornehmen zu lassen. Eine speciellere Beschreibung und Skizze dieser Spritze findet sich im polytechnischen Journal Bd. CLXVI S. 7.

Von englischen Dampfspritzen verzeichnete der officielle illustrirte Katalog zwei Exemplare. Eins unter Nr. 1928 von Merryweather und Sohn in London (Abbildungen auf Seite 48 des Katalogs) und ein zweites unter Nr. 1984 von Shand und Mason (Abbildung ebendaselbst S. 68).

So sehr bei Merryweather Material und Ausführung, namentlich sein Stahlblechkessel, belobt werden konnte, so viel ließ die Anordnung des Ganzen zu wünschen übrig. Am wenigsten gelungen fand man die Gestellconstruction und den Steuerungsmechanismus der horizontalen Dampfmaschine. Letztere hatte 9 Zoll Kolbendurchmesser und 15 Zoll Hub, während die eincylindrige ebenfalls horizontalliegende doppeltwirkende Pumpe nur 6 1/2 Zoll Durchmesser, jedoch denselben Hub hatte. Die Dampfmaschine war nach amerikanischer Idee ohne Schwungrad construirt.

Shand und Mason's Dampfspritze erschien leider nicht in der Ausstellung und wurde man zur Besichtigung derselben in die Office der Londoner Fire Brigade (68 Watling Street, St. Paul) gewiesen, wo

99)

Ein zweites Exemplar amerikanischer Dampffeuerspritze fand sich noch nach Beendigung der Jury-Arbeiten ein, blieb jedoch unvollständig montirt in einem Winkel der äußersten südöstlichen Ecke des Ausstellungsgebäudes im Staube und derart verbarrikadirt stehen, daß sie fast aller Beachtung entgieng. Uebrigens versprach ihr Aeußeres sehr wenig.