Text-Bild-Ansicht Band 185

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lösen, wodurch sich beim Erkalten das Alkaloid in kleinen fettglänzenden Blättchen ausscheidet, welche bei 45° C. schmelzen und beim Wiedererkalten zu einer strahlenförmig krystallisirten Masse erstarren.

Als charakteristische Reaction für die Nachweisung selbst kleiner Mengen Diphenylamin fuhrt Hofmann die durch concentrirte Salpetersäure hervorgerufene blaue Färbung an, die aber nicht bleibend ist, sondern beim Verdünnen mit Wasser wieder verschwindet. Es muß aber einen Körper geben, dem diese blaue Farbe angehört, da sie sich nach Hofmann auch bei der Einwirkung anderer oxydirender Agentien bilden soll. Von den anderen Eigenschaften des Diphenylamins erwähnen wir nur, als von etwaigem technischen Interesse, sein Verhalten zu Quecksilberchlorid oder Arsensäure bei Gegenwart von Toluidin. Durch Erhitzen einer Mischung dieser Substanzen erhält man eine Schmelze, welche sich in Alkohol mit prachtvoll violettblauer Farbe löst. Hofmann hält den entstandenen Körper für monophenylirtes Rosanilin. Aus einer späteren Abhandlung über das Phenyltolylamin (Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. CXXXII S. 289) erfahren wir, daß letzteres durch Zusammenschmelzen mit Quecksilberchlorid ebenfalls einen in Alkohol mit prachtvoll violettblauer Farbe löslichen Körper liefert, den Hofmann seiner Bildungsweise nach als Tolyldiphenylrosanilin bezeichnet. Sonderbar muß es erscheinen, daß Hofmann den blauen Körper nicht darzustellen vermochte; vermuthlich war die ihm zu Gebote stehende Menge der secundären Monamine zu gering, um damit umfassende Versuche anstellen zu können.

Es ist klar, daß die Synthese der blauen Farbstoffe keine Schwierigkeit mehr darbietet, sobald das Diphenylamin und dessen Homologe, besonders das Phenyltolylamin, in beliebiger Menge dargestellt werden können. Verschiedene nutzlose Versuche sind seit Hofmann's Entdeckung gemacht worden, um die 2 Aequiv. typischen Wasserstoffs des Anilins durch Phenyl zu ersetzen, bis endlich C. Girard, G. de Laire und P. Chapoteaut ihre Untersuchungen über die Bildung der secundären Monamine der Phenyl- und der Tolylreihe veröffentlichten (Comptes rendus, t. LXIII p. 91; Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. CXL S. 344). Aus diesen erhellt, daß das Diphenylamin durch Einwirkung des Anilins auf seine Salze sich ebenso bildet wie das triphenylirte Rosanilin aus dem Anilin und Rosanilin. Man erhitzt in einem langhalsigen Kolben oder in einem geschlossenen Gefäße unter einem Druck von 4 bis 5 Atmosphären eine Mischung von 1 1/2 Aeq. Anilin und 1 Aeq. chlorwasserstoffsaurem Anilin auf eine zwischen 210 und 240° C. liegende Temperatur. Der Beginn der Reaction wird durch die Entwickelung von