Text-Bild-Ansicht Band 185

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Ammoniak angezeigt. Nach 30 bis 35 Stunden ist die Operation beendigt und man erhält eine bis zu 1/5 von dem Gewichte des angewendeten Anilins betragende Menge Diphenylamin. In geschlossenen Gefäßen und unter einem Druck von 4 bis 5 Atmosphären geht die Bildung dieser Base rascher und in beträchtlicherer Menge vor sich. Der Siedepunkt der gereinigten Substanz liegt bei 310° C.

Auf dieselbe Art und Weise erhält man das Phenyltolylamin und das Ditolylamin. Das Phenyltolylamin, durch Einwirkung von Anilin auf chlorwasserstoffsaures Toluidin, oder von Toluidin auf chlorwasserstoffsaures Anilin dargestellt, zeigt in seiner Reaction ebenso wie das Ditolylamin große Aehnlichkeit mit dem Diphenylamin; sein Siedepunkt liegt bei 330°, der des Ditolylamins zwischen 355 und 360°.

Unstreitig empfiehlt sich obige Darstellungsart durch ihre Eleganz und Einfachheit, und wenn es bis jetzt noch nicht gelungen ist, die secundären Monamine der Phenyl- und Tolylreihe fabrikmäßig darzustellen, so liegen gewiß nur mehr technische Schwierigkeiten im Wege, die aber vielleicht in diesem Augenblicke schon überwunden sind.

Eine fernere Bildungsweise des Diphenylamins constatirte in jüngster Zeit A. W. Hofmann (Comptes rendus, t. LXIV p. 387), welche insofern Interesse bietet, als sie das Resultat der Einwirkung des Anilins nicht auf seine Salze, sondern auf die Anilide ist und ferner gleichzeitig eine Quelle abgibt für die künstliche Entstehung der Benzoesäure.

Bekanntlich gibt die trockene Destillation des oxalsauren Anilins vorzüglich Oxanilid, während das Formanilid oder Phenylformamid nur als Nebenproduct auftritt. Erhitzt man dagegen rasch 2 Aequiv. Oxalsäure mit 2 Aequiv. Anilin, so erhält man eine große Menge Formanilid, unter Ausscheidung von Kohlensäure und Wasser. Unter den Destillationsproducten findet sich Diphenylamin, welches herrührt von einer secundären Umsetzung von Formanilid und Anilin unter Entwickelung von Blausäure und Wasser. Ferner trifft man einen flüssigen Körper neben dem Diphenylamin, welcher mit den Wasserdämpfen übergeht, wenn man das Destillationsproduct mit concentrirter Salzsäure erhitzt. Der aromatische Geruch läßt schon das Benzonitril erkennen. Durch längeres Kochen mit caustischem Natron löst sich dasselbe unter Ammoniakentwickelung auf und setzt sich in Benzoesäure um, welche mit dem Natron verbunden bleibt.

Unterwirft man Toluidin derselben Behandlungsweise, so resultirt Tolylformamid und durch Zersetzung desselben Tolylsäure.

Was nun die industrielle Seite der Geschichte des Diphenylamins betrifft, so ist es für die Zukunft dieses neuen Körpers von Interesse zu