Text-Bild-Ansicht Band 185

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Diphenylamin wenig geeignet erscheinen und man zur Wahl neuer Agentien schreiten muß, welche als Aequivalent von H² indicirt sind.

Nach vielen Versuchen ist es mir gelungen, aus Diphenylamin, welches durch trockene Destillation von Anilinblau erhalten worden war, einen blauen Farbstoff herzustellen. Besser gelang der Versuch mit Diphenylamin, welches ich durch die Güte des Hrn. C. Girard in Lyon erhielt und das nach seinem Verfahren erzeugt worden war. Die Reinigung des neuen Körpers geht leicht von Statten durch Behandlung mit Alkohol, dem etwas Salzsäure zugesetzt wird. In seinen Eigenschaften und seinem Verhalten gegen Lösungsmittel zeigt er die größte Aehnlichkeit mit dem triphenylirten Rosanilin. Geschmolzen bildet er eine bronzefarbene Masse, die ein dunkelblaues Pulver gibt und sich in starkem Alkohol mit himmelblauer Farbe löst. Seide und Wolle werden damit in prachtvollem Blau gefärbt, das selbst am künstlichen Lichte noch einen grünlichen Schimmer erhält.

In jüngster Zeit ließ sich C. Girard ein Verfahren zur Darstellung eines blauen Farbstoffes aus käuflichem Diphenylamin patentiren (Mechanics' Magazine, Juni 1867, S. 357). Er wendet zur Wasserstoff-Entziehung den Anderthalb Chlorkohlenstoff (zweifach-gechlortes Aethylenchlorür) an, indem er 3 Theile desselben auf 2 Theile Diphenylamin in einem Destillirapparat während 5 bis 6 Stunden zwischen 170° und 190° C. wirken läßt. Während der Reaction entwickelt sich salzsaures Gas und Einfach-Chlorkohlenstoff; letzterer in einer dem in Farbstoff umgewandelten Diphenylamin entsprechenden Menge. Die bronzefarbene Schmelze wird gepulvert und bis zur vollständigen Erschöpfung in einen Deplacirungsapparat mit Benzol oder Aether unter geringer Erwärmung behandelt. Der unangegriffene Theil des Sesquichlorids sowie des Diphenylamins lösen sich mit einer kleinen Partie blauvioletten Farbstoffes, während der größte und beste Theil des blauen Farbstoffes ungelöst zurückbleibt. Will man ihn noch ferner reinigen, so kann man ihn in kochendem Alkohol lösen und durch Salzsäure fällen. Girard nimmt 2 Vol. Säure auf 1 Vol. Alkohol. Nach einer oder zwei successiven Lösungen und Fällungen ist der blaue Körper fast chemisch rein. Die saure alkoholische Flüssigkeit enthält eine Mischung von blauen und besonders violetten und braunen Farbstoffen.

Der Erfinder hat beobachtet, daß unter denselben Bedingungen der Darstellung Ditolylamin einen braunen, Diphenylamin einen schwärzlichblauen und Phenyltolylamin einen blauvioletten Farbkörper erzeugt; daß aber eine Mischung von Diphenylamin und Ditolylamin oder Diphenylamin und Phenyltolylamin in irgend einem Verhältniß Blau