Text-Bild-Ansicht Band 185

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der Meßinstrumente und von dem Beobachter selbst ab, sowie von der Art, wie die Ausdehnung vorgenommen wird; überdieß kehrt der entlastete Stab nicht sogleich in die Gleichgewichtslage zurück, sondern es findet eine sogenannte elastische Nachwirkung statt, so zwar, daß sich die bleibende Ausdehnung durch einige Zeit beständig ändert, nämlich kleiner wird. Die Unzulänglichkeit dieser Bestimmung wollte schon Werthheim durch seine Definition der Elasticitätsgrenze vermeiden, indem er die bleibende Ausdehnung auf ein bestimmtes Maaß brachte, und unter Elasticitätsgrenze jene specifische Belastung verstand, welche eine bleibende Verlängerung von 0,00005 der ursprünglichen Länge des Stabes hervorzubringen vermag.

Das Messen einer so geringen Länge ist schon an und für sich mit einigen Schwierigkeiten verbunden, auch dürfte sie durch sehr verschiedene Belastungen, die eine kürzere oder längere Zeit einwirken, veranlaßt werden. Ferner sind die Stäbe nie vollkommen gerade, man muß sie etwas spannen, um die ursprüngliche Länge messen zu können, und schon diese geringe Belastung kann möglicherweise bleibende Verlängerungen verursachen. Um diesen Uebelständen zu begegnen, fand sich der Herr Verfasser bewogen, eine neue Definition der Elasticitätsgrenze vorzuschlagen, welche vorzugsweise die Möglichkeit bieten sollte, diese Grenze scharf zu bestimmen, was um so wichtiger ist, als neuerer Zeit nach dem Vorgange von Reuleaux die zulässige Inanspruchnahme der Constructionen immer nur auf die Elasticitätsgrenze bezogen wird.

Wird ein Stab successive belastet und ist die Dauer der Einwirkung jeder Belastung so viele Minuten als die Gewichtsvermehrung Procente der vorangegangenen ganzen Belastung beträgt, wenn ferner L die ursprüngliche Stablänge, P die ganze Belastung, ΔP die Belastungsvermehrung und ΔL den von dem Gewichte P + ΔP hervorgerufenen bleibenden Längenzuwachs bezeichnet (nachdem es durch (100 ΔP)/P Minuten einwirkte), so versteht man unter Elasticitätsgrenze jenen Werth von P, welcher bei dem zugehörigen ΔP und ΔL der Gleichung ΔL/L = 1/100 . ΔP/P ganz oder wenigstens nahezu genügt. Es ist also zur Ermittelung der Elasticitätsgrenze eine Reihe von Versuchen erforderlich, und diese müssen an jener Stelle, wo die Elasticitätsgrenze beiläufig liegen dürfte, mit möglichst kleinen Belastungsvermehrungen ausgeführt werden. Verzeichnet man die bleibenden Verlängerungen als Abscissen und die zugehörigen Belastungen als Ordinaten, so erhält man das Bild der Verlängerungscurve, und es ist der Winkel, welchen