Text-Bild-Ansicht Band 185

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die Berührende in jenem Punkte der Curve, welcher der Elasticitätsgrenze entspricht, mit der Abscissenachse bildet, durch dessen trigonometrische Tangente ΔP/ΔL = 100 P/L bestimmt.

Versuche, welche mit zwei Theilen ursprünglich ganzer Stäbe ausgeführt wurden, zeigten, daß die Größe der Belastungsvermehrung, sowie die Einwirkungsdauer innerhalb gewisser Grenzen auf die Lage der Elasticitätsgrenze fast ohne Einfluß sind; so betrug bei einem Puddeleisen von Motala die Belastungsvermehrung bei dem einen Stabtheile 7,1 Pfd. und die jedesmalige Einwirkung 2 Minuten, bei dem anderen 14,4 Pfd. und die Dauer bloß 1/2 Minute; die Elasticitätsgrenze wurde im ersteren Falle mit 431, im zweiten mit 435 ermittelt, somit eine geringe Abweichung. Bemerkenswerth ist, daß wenigstens bei weichem Eisen die Elasticitätsgrenze nach dieser Definition, wenngleich immer höher, doch nicht bedeutend höher liegt als nach Werthheims Definition, wiewohl die bleibenden Verlängerungen im ersten Falle bedeutend größer sind als 0,00005 der ursprünglichen Länge; der Grund dessen liegt darin, daß die Verlängerungen an dieser Stelle sehr rasch zunehmen, die Curve eine größere Neigung gegen die Abscissenachse annimmt. Darin liegt auch der Beweis, daß diese Definition der Elasticitätsgrenze sehr glücklich für Eisen und Stahl gewählt ist, denn sobald die Belastungen nur wenig darüber vermehrt werden, so gestalten sich die bleibenden Verlängerungen schon sehr bedenklich, was sich auch äußerlich durch das Abfallen des Glühspans kennzeichnet. – In diesem Sinne ist die Lage der Elasticitätsgrenze in der Tabelle bestimmt worden, mit Ausnahme der Stäbe Nr. 1 bis 59, welche von den Herren Thalén und Cronstrand bestimmt wurde, und worin als Elasticitätsgrenze derjenige Punkt der Verlängerungscurve gewählt wurde, welche der Maximalkrümmung entspricht, was auf graphischem Wege bestimmt wurde. – Hr. Styffe verließ diese Art der Bestimmung der Elasticitätsgrenze, weil sie von dem gewählten Maaßstabe bei der Bezeichnung der Curve nicht unabhängig ist; im übrigen weicht die so bestimmte Elasticitätsgrenze von der nach obiger Definition nur unbedeutend ab. –

Durch mehrmaliges Strecken, sowie durch anderweitige mechanische Bearbeitung wird die Elasticitätsgrenze erhöht, welche Eigenthümlichkeit des Eisens und Stahles durch folgenden Versuch dargethan ist. Ein Stab von Puddelstahl wurde successive bis 815 Pfd. pro Quadratlinie belastet, sodann wurde er noch zehnmal mit derselben Belastung ausgedehnt, wobei die bleibenden Verlängerungen immer kleiner geworden sind; schließlich wurde derselbe Stab zweimal mit geringeren, bis zu 930 Pfd.